Sektorenübergreifende Qualitätssicherung

Sektorenübergreifende Qualitätssicherung - Zweites Verfahren „QSWI"

Informationen über die Vorgehensweise zur Dokumentation im QS-Verfahren Vermeidung nosokomialer Infektionen und Hinweise zur Umsetzung der Richtlinie zur einrichtungs- und sektorenübergreifenden Qualitätssicherung erhalten die von diesem Verfahren betroffenen Betriebsstätten Anfang Januar 2018 in einem Schreiben der KV Sachsen. Die Datenlieferfrist beginnt ab dem 1. Quartal 2018 und wird für das Erfassungsjahr 2017 bis zum 30. April 2018 verlängert.
                                                                                       - Qualitätssicherung/sch - 

Einrichtungs- und sektorenübergreifende Qualitätssicherung

Mit der Richtlinie zur einrichtungs- und sektorenübergreifenden Qualitätssicherung (Qesü-RL) formulierte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) Vorgaben für einrichtungs- und sektorenübergreifende Maßnahmen der Qualitätssicherung, welche folgende Zielsetzung verfolgen:

  • Ergebnisqualität verbessern
  • valide und vergleichbare Erkenntnisse über die Versorgungsqualität der Ärzte gewinnen
  • und damit die Selbstbestimmung der Patienten stärken.

Behandlungsverläufe sollen im Ganzen beurteilbar sein und über verschiedene daran beteiligte Leistungserbringer und größere Zeiträume hinweg analysiert werden können. Durch die über die Grenzen der Sektoren von Kliniken und Arztpraxen bzw. Zahnarztpraxen hinweg reichende Betrachtung, soll zudem ein kontinuierlicher Qualitätsentwicklungs-prozess eingeleitet werden.

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Erstes Verfahren „PCI“

Das erste Mitte Februar 2015 durch den G-BA beschlossene Verfahren zur sektorenübergreifenden Qualitätssicherung, bei der Vertrags- und Krankenhausärzte nach denselben QS-Vorgaben bewertet werden, ist die „Perkutane Koronarintervention (PCI) und Koronarangiographie“. Das Verfahren stützt sich aktuell auf zwei Datenquellen: die QS-Dokumentation durch den Arzt und die Sozialdaten, die bei den Krankenkassen vorliegen.

Gemäß der Richtlinie zur einrichtungs- und sektorenübergreifenden Qualitätssicherung (Teil I und Teil II) des G-BA sind alle invasiv tätigen Kardiologen verpflichtet, seit dem 01. Januar 2016 jede Herzkatheter-Untersuchung und jede perkutane Koronarintervention bei gesetzlich versicherten Patienten zu dokumentieren.

Die Dokumentation im Verfahren „Koronarangiographie/PCI“ erfolgt elektronisch. Vertragsärzte übermitteln die Daten quartalsweise (spätestens zum 15. Mai, 15. August, 15. November und 28. Februar) an die Datenannahmestelle der KV Sachsen. Für die Dokumentation benötigen die Praxen eine zertifizierte QS-Dokumentations-Software.

Der mit der notwendigen Dokumentation zur sQS verbundene Mehraufwand findet im Rahmen der Vergütung Berücksichtigung. Seit 01.10.2016 erfolgt die Abrechnung der Datenerfassung, Dokumentation und Datenübermittlung über die GOP 34291 „Herzkatheteruntersuchung mit Koronarangiographie“.  Der obligate Leistungsinhalt der GOP wurde dazu um die Maßnahmen der Qualitätssicherung sowie um ein Aufklärungsgespräch erweitert. Die Bewertung wurde um 92 auf 3.227 Punkte erhöht. Zudem stieg die Prüfzeit zur GOP 34291 um 5 Minuten.

Weiterhin wurde eine Kostenpauschale 40306 in den EBM aufgenommen. Sie beinhaltet alle Kosten, die im Zusammenhang mit der Datenerfassung, Dokumentation und Datenübermittlung entsprechend der GOP 34291 entstehen. Die Kostenpauschale ist mit 2,50 Euro bewertet.

Gemäß der Richtlinie des G-BA zur sQS ist eine Differenzierung innerhalb der GOP 34291 vorgesehen. Bei fehlendem Nachweis der Maßnahmen zur Qualitätssicherung bzw. fehlendem Aufklärungsgespräch wird die abgeleitete GOP 34291Q wie ursprünglich mit 3135 Punkten bewertet und die Prüfzeit um 5 Minuten reduziert. Ab dem 01. Quartal 2017 ist bei fehlendem Nachweis der QS-Dokumentation der Ansatz der GOP 34291Q erforderlich. Weil es sich bei der GOP 34291Q um eine Übergangsregelung handelt, die bis zum 30.06.2017 gilt, kann bei fehlenden QS-Maßnahmen bzw. fehlendem Aufklärungsgespräch die GOP 34291
ab dem 01.07.2017 nicht mehr angesetzt werden. 

Vertragsärztinnen und –ärzte sind verpflichtet ihre Patientinnen und Patienten in verständlicher Weise über Zweck und Inhalt des sie betreffenden Qualitätssicherungsverfahrens – hier PCI – zu informieren (§ 24 Qesü-RL). Dafür kann die entsprechende, durch den G-BA erstellte Patienteninformation genutzt werden.

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Zweites Verfahren „QSWI“

Anfang 2017 startete das zweite Verfahren zur sektorenübergreifenden Qualitätssicherung „Vermeidung nosokomialer Infektionen: Postoperative Wundinfektion (QSWI)“. Ziel des Verfahrens ist die Vermeidung von Wundinfektionen, die nach einer Operation auftreten können. Dazu sind die operativ tätigen Ärzte in Praxen, Medizinischen Versorgungszentren (MVZ), OP-Zentren und Krankenhäusern, die sogenannte „Tracer-Eingriffe“ – d. h. vordefinierte Eingriffe und Operationen – durchführen, verpflichtet an einer jährlichen Einrichtungsbefragung zum Hygiene- und Infektionsmanagement teilzunehmen.  

Die Dokumentationspflicht beginnt erstmalig im ersten Quartal 2018 und bezieht sich auf das einrichtungsbezogene Hygiene- und Infektionsmanagement des Jahres 2017.

Im Rahmen der Einrichtungsbefragung zum Hygiene- und Infektionsmanagement kommen zwei Fragebögen zum Einsatz. Ein Fragebogen richtet sich an ambulant operierende Ärzte in Praxen, MVZ oder OP-Zentren und ein weiterer Fragebogen bezieht sich auf stationär operierende Ärzte in Krankenhäusern (wie Belegärzte).
Die Einrichtungsbefragung ist nur einmal je Hauptbetriebsstätte zu beantworten. Sind mehrere Ärzte einer Betriebsstätte betroffen, muss die Dokumentation von einem verantwortlichen Arzt für die gesamte Betriebsstätte übermittelt werden.

Zur Erfassung der relevanten QS-Daten, steht den Ärzten ab dem 1. Quartal 2018 ein Web-Portal im Sicheren Netz der KVen zur Verfügung.

Folgende operierende Fachrichtungen sind von dem sQS-Verfahren QSWI betroffen:

  • Chirurgie/Allgemeinchirurgie
  • Gefäßchirurgie
  • Viszeralchirurgie
  • Orthopädie und Unfallchirurgie
  • Plastische Chirurgie
  • Gynäkologie und Geburtshilfe
  • Urologie

Die am QS-Verfahren beteiligten Praxen und Krankenhäuser erhalten einen jährlichen Rückmeldebericht zu den Ergebnissen der Einrichtungsbefragung. Außerdem soll das sQS-Verfahren zunächst für fünf Jahre erprobt werden, bevor es in den Regelbetrieb geht.

Vertragsärztinnen und –ärzte sind verpflichtet ihre Patientinnen und Patienten in verständlicher Weise über Zweck und Inhalt des sie betreffenden Qualitätssicherungsverfahrens – hier QSWI – zu informieren (§ 24 Qesü-RL). Dafür kann die entsprechende, durch den G-BA erstellte Patienteninformation genutzt werden.

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