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Strukturwandel gemeinsam bewältigen: Acht-Punkte-Programm

Vorschläge der Kassenärztlichen Bundesvereinigung für eine moderne Gesundheitsversorgung in Deutschland – Acht-Punkte-Programm auf Basis des Konzepts „KBV 2020 - Versorgung gemeinsam gestalten“

Die ambulanten und stationären Strukturen müssen dem sich ändernden Bedarf an medizinischer Versorgung angepasst werden, die ambulante Notfallversorgung muss weiterentwickelt und die Bedarfsplanung muss überprüft werden.

Die Budgetierung der vertragsärztlichen Vergütung muss beendet werden, um dem wachsenden ambulanten Behandlungsbedarf angemessen Rechnung zu tragen. Dies erfordert gleichzeitig eine bessere Koordinierung der Patienten bei der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen.

Zudem muss die Attraktivität aller Gesundheitsberufe erhöht und weiterentwickelt sowie das Zusammenwirken von Vertragsärzten und Vertragspsychotherapeuten mit den nichtärztlichen Gesundheitsberufen optimiert werden.

Die Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Strukturwandel ist, dass die Sicherstellung der ambulanten ärztlichen und psychotherapeutischen Versorgung weiterhin nach den Prinzipien der freiberuflichen Berufsausübung erfolgt – und zwar auf der Basis einer funktionierenden Selbstverwaltung, vornehmlich in inhabergeführten Praxisstrukturen der Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten.

Weitere Informationen unter:
www.kbv.de/html/29056.php

                                                                      – Information der KBV vom 22.05.2017 – 

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Vorschläge der Kassenärztlichen Bundesvereinigung für eine moderne Gesundheitsversorgung in Deutschland

Ein Acht-Punkte-Programm auf der Basis des Konzepts „KBV 2020 - Versorgung gemeinsam gestalten“

  1. Die KBV fordert ein ausdrückliches Bekenntnis der Politik zur Sicherstellung der ambulanten medizinischen Versorgung in Deutschland nach den Prinzipien der freiberuflichen Berufsausübung vornehmlich in inhabergeführten Praxen und auf der Basis einer funktionierenden Selbstverwaltung.
  2. Angesichts der Zunahme ambulanter Behandlungen und gleichzeitig bestehenden Überkapazitäten im Krankenhausbereich müssen die ambulanten und stationären Versorgungsstrukturen bedarfsgerecht angepasst werden. Insbesondere die Vernetzung von ambulanten und stationären Versorgungsbereichen durch eine Weiterentwicklung des Belegarztwesens, in dem auch hausärztliche Kompetenz eingebunden werden muss, kann den Strukturwandel im Sinne der Ambulantisierung vorantreiben.    
  3. Dem gesetzlich verankerten Prinzip „ambulant vor stationär“ muss durch eine kooperative Weiterentwicklung des ambulanten Not- und Bereitschaftsdienstes mit allen Beteiligten Geltung verschafft werden. Ziel ist eine bedarfsgerechte Behandlung der Patienten sowie die Vermeidung unnötiger und zudem teurerer Krankenhausbehandlungen.    
  4. Die Bedarfsplanung muss von einer reinen Zulassungsplanung zu einer echten Bedarfsplanung weiterentwickelt werden. Die Festlegung des Bedarfs darf sich nicht ausschließlich an der Demografie der Bevölkerung orientieren, sondern ist um indikationsbezogene Parameter und regionale Strukturparameter zu ergänzen. Zusätzliche Arzt- und Psychotherapeutenstellen müssen gegenfinanziert werden.    
  5. Die Budgetierung der ärztlichen und psychotherapeutischen Leistung muss beendet werden. Um dem steigenden ambulanten Behandlungsbedarf zu begegnen, ist eine bedarfsgerechte Koordination der Inanspruchnahme ärztlicher Leistung erforderlich. Der EBM ist entsprechend anzupassen.
  6. Die Digitalisierung im Gesundheitswesen muss auf wirkliche Innovationen ausgerichtet sein und den Kriterien sicher, aufwandsneutral und nutzbringend entsprechen sowie Interoperabilität gewährleisten. Hierfür wird die KBV innovative, der Versorgung dienende Lösungen vorschlagen.
  7. Die Maßnahmen zur Nachwuchsgewinnung von Ärzten für die ambulante Tätigkeit müssen erweitert, das Medizinstudium stärker an der Patientenversorgung ausgerichtet und die Förderung der ambulanten Weiterbildung ausgebaut werden.
  8. Die Kooperation mit den nichtärztlichen Gesundheitsberufen durch Delegation muss optimiert werden, um die flächendeckende ambulante Versorgung bei zunehmender Ambulantisierung der Medizin und entsprechender Anpassungen der Versorgungsstrukturen weiter aufrechterhalten zu können.

Begründung:

Die Auswirkungen des demografischen Wandels sind bereits jetzt deutlich spürbar. Immer weniger berufstätige Menschen stehen einer wachsenden Zahl immer älter werdender Bürger gegenüber. Diese Situation wird sich verschärfen, wenn die sogenannten Baby-Boomer in etwa 15 Jahren in Rente gehen, die derzeit den größten Teil der Arbeitnehmer stellen. So wird nach einer Prognose des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2035 mehr als jeder dritte Einwohner 70 Jahre und älter sein. Auch vor den Angehörigen der Gesundheitsberufe macht die demografische Entwicklung nicht Halt.

Folglich wird sich der Mangel an Ärzten, Psychotherapeuten sowie nichtärztlichen Fach- und Pflegekräften verstärken. Hinzu kommt der Trend zum Leben in der Stadt mit der Folge, dass auf dem Land die Bevölkerung ausgedünnt und die Infrastruktur zurückgebaut wird, was wiederum die Abwanderung forciert. Auch die sozialen und familiären Strukturen im Zusammenleben der Menschen ändern sich; so nimmt der Anteil der Single-Haushalte und der Alleinerziehenden zu.

Diese Entwicklungen haben zum Teil erhebliche Auswirkungen auf die medizinische Versorgung der Bürger im Land. Deutschland verfügt über eine auch im internationalen Vergleich hochwertige flächendeckende Gesundheitsversorgung. Um diese zu erhalten, muss es gelingen, den demografischen Wandel mit einem Strukturwandel in der medizinischen Versorgung zu begleiten.

Dazu gehört, dass die ambulanten und stationären Strukturen dem sich ändernden Bedarf an medizinscher Versorgung angepasst werden, die ambulante Notfallversorgung weiterentwickelt und die Bedarfsplanung überprüft wird. Die Budgetierung der vertragsärztlichen Vergütung muss beendet werden, um dem wachsenden ambulanten Behandlungsbedarf angemessen Rechnung zu tragen. Dies erfordert gleichzeitig eine bessere Koordinierung der Patienten bei der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen. Zudem muss die Attraktivität aller Gesundheitsberufe erhöht und weiterentwickelt sowie das Zusammenwirken von Vertragsärzten und Vertragspsychotherapeuten mit den nichtärztlichen Gesundheitsberufen optimiert werden.

Die Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Strukturwandel ist, dass die Sicherstellung der ambulanten ärztlichen und psychotherapeutischen Versorgung weiterhin nach den Prinzipien der freiberuflichen Berufsausübung erfolgt - und zwar auf der Basis einer funktionierenden Selbstverwaltung vornehmlich in inhabergeführten Praxisstrukturen der Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten.

                                                                                  – KBV/Vertreterversammlung –

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KBV-Sicherstellungskongress am 27. und 28. Juni 2017 in Berlin

Um innovative Lösungen für eine ambulante medizinische und psychotherapeutische Versorgung mit Zukunft geht es beim Sicherstellungskongress der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) am 27. und 28. Juni im dbb forum Berlin.

Das Programm beinhaltet diverse Vorträge, Seminare und Diskussionsrunden: Themen sind beispielsweise effektives Kooperieren in Praxisnetzen, eine sektorenübergreifende Notfallversorgung, die digitale Gesundheitsversorgung mithilfe von Telefonservices sowie die Gewinnung von ärztlichem Nachwuchs.

Bei der Veranstaltung werden unter anderem rund 30 Projekte vorgestellt, die die Vielzahl von Ansätzen und Kooperationen der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) belegen: Sie zeigen, wie die ambulante Versorgung – auch und gerade in strukturschwachen Regionen – sichergestellt und weiterentwickelt werden kann.
Ideen und Lösungsansätze für eine hochwertige Versorgung der Zukunft stehen auch im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion zwischen Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (angefragt) und dem KBV-Vorstandsvorsitzenden Dr. Andreas Gassen.

Eine Pre-Conference des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) beschäftigt sich ergänzend am 27. Juni mit dem Einfluss verschiedener Aspekte wie der Infrastruktur auf die ambulante Versorgung vor allem im ländlichen Raum.

Der zweitägige Sicherstellungskongress dient als Plattform, um unterschiedlichste Lösungen und Ideen mit Experten aus der Politik, Wissenschaft und Gesundheitsbranche zu diskutieren. Der Kongress findet im Rahmen der bundesweiten „Woche der ambulanten Versorgung“ von KBV und KVen statt, die vom 26. bis 30. Juni die Leistungsfähigkeit der ambulanten Versorgung und das Engagement der Ärzte und Psychotherapeuten in weiteren regionalen Veranstaltungen präsentiert.

Der Unkostenbeitrag für den KBV-Sicherstellungskongress beträgt 40 Euro (27. Juni) beziehungsweise 80 Euro (28. Juni). Anmeldungen sind ab sofort möglich.

Die KV Sachsen betreut ebenfalls einen eigenen Stand und präsentiert am 28. Juni das Modellprojekt „Studieren in Europa – Zukunft in Sachsen“ sowie die Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen „ARMIN“.

Messeprogramm und Anmeldung unter:
www.kbv.de/html/sicherstellungskongress.php

                                                                                           – Sicherstellung/fr/A. Winkler(KBV) –

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