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KVS-Mitteilungen

KVS-Mitteilungen - Ausgabe 10/2014

Ausgabe 10/2014

zum Inhalt dieser Ausgabe

Berufs- und Gesundheitspolitik



KV-Vorstand diskutierte mit fachärztlichen Berufsverbänden über Terminvergabetelefon und Neupatientenregelung

Der Vorstand der KV Sachsen stellte den fachärztlichen Berufsverbänden am 10. September das sächsische Modell zur Terminvergabe und Neupatientenregelung vor. Dr. Klaus Heckemann erläuterte den 18 Vertretern von 13 Berufsverbänden zunächst die Ausgangssituation bei den MGV-Verhandlungen 2014. Der Wegfall der Förderung der konventionellen Radiologie bedurfte dabei einer ausführlichen Diskussion.

Dr. Heckemann erläuterte das A-B-C-Modell zur Überweisungssteuerung, mit dem sich Sachsen von der politischen Vorgabe trennt, ALLE Termine in vier Wochen zu realisieren. Dieses sächsische Modell stärkt die Rolle des Hausarztes, der die Überweisung ­ausstellt und die Dringlichkeit festlegt.

Damit soll gewährleistet werden, dass alle Patienten entsprechend der medizinischen Notwendigkeit gleichwertig vermittelt werden müssen. Er hofft, dass es bundesweit übernommen wird.

In der Diskussion konnten zahlreiche Fragen geklärt und viele Details abgestimmt werden. Dr. Klaus Hamm, Vorsitzender des BV der Radiologen in Sachsen, stellte fest, dass die KV Sachsen hier Gestaltungsmöglichkeiten ausschöpft und Handlungsfähigkeit nachweist.

Im Anschluss stellte Herr Dr. Heckemann das Neupatientenmodell vor, das die Terminvergabe flankieren soll. Ausführlich diskutierte er mit den Fachärzten die komplexen Zusammenhänge der Finanzierung. Die Verknüpfung von Terminvergabe und Neupatientenregelung stellt eine Voraussetzung zur Schaffung von Sprechstunden-Kapazitäten dar, ohne die eine sinnvolle Terminvermittlung via KV-Telefon nicht möglich wäre. Patienten mit einem berechtigten)* Terminwunsch soll letztlich geholfen werden.

– Öffentlichkeitsarbeit/im –

)* siehe Beilage zu den KVS-Mitteilungen 09/2014 und unter www.kvsachsen.de

Informationsveranstaltungen zum Modellprojekt „Studieren in Europa – Zukunft in Sachsen“

Die KV Sachsen bereitet die Ausschreibung für den dritten Jahrgang des Modellprojekts „Studieren in Europa – Zukunft in Sachsen“ vor.

Das Modellprojekt ermöglicht es sächsischen Abiturienten, die in Deutschland aufgrund des hohen Numerus Clausus viele Wartesemester in Kauf nehmen müssten, zeitnah das Medizinstudium zu beginnen. Das deutschsprachige Medizinstudium findet an der Universität Pécs (Ungarn) statt. Die KV Sachsen und die Krankenkassen finanzieren die Studiengebühren für die zwölfsemestrige Regelstudienzeit an der Universität Pécs.

Im Gegenzug müssen sich die Studenten nach dem Studium und der FA-Ausbildung in der Allgemeinmedizin für eine mindestens fünfjährige Tätigkeit im ländlichen Bereich in Sachsen verpflichten.

Für Interessenten bietet die KV Sachsen im November drei Informationsveranstaltungen zum Modellprojekt an. Um Anmeldung wird gebeten.

KV Sachsen, Bezirksgeschäftsstelle Leipzig
14. November 2014, 16–18 Uhr
sicherstellung.leipzig@kvsachsen.de

KV Sachsen, Bezirksgeschäftsstelle Chemnitz
21. November 2014, 16–18 Uhr
sicherstellung.chemnitz@kvsachsen.de

KV Sachsen, Bezirksgeschäftsstelle Dresden
28. November 2014, 16–18 Uhr
sicherstellung.dresden@kvsachsen.de

– Sicherstellung/vö –

Barrierefrei in die Praxis

Dr. Marie-Luise Kreher ist niedergelassene Ärztin in Freiberg. Seit ihrem 16. Lebensjahr leidet sie unter einer fortschreitenden Muskeldystrophie, ist dadurch schwer gehbehindert. Ihre Approbation erwarb sie 1995, vier Jahre später schloss sie die Prüfung zur Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie erfolgreich ab und eröffnete im Jahr 2000 ihre Praxis für Psychiatrie und Psychotherapie in Freiberg.

Die Praxisräume befinden sich in einem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude, das bis zur Praxiseröffnung saniert wurde. Damit die Einrichtung sowohl ihren eigenen Bedürfnissen als auch den von körperlich behinderten Patienten entspricht, wurde das Thema Barrierefreiheit bei der Sanierung und späteren Anpassungen der Praxisräume berücksichtigt. Beispiele hierfür sind der ebenerdige Zugang zur Praxis, die Anbringung automatischer Türöffner, eine ausreichende Bewegungsfreiheit für Rollstuhlfahrer sowie der Einbau eines Treppenliftes, der einen Zugang zu weiteren Therapie- und Seminarräumen im Obergeschoss der Praxis ermöglicht.

Unter barrierefreier Praxis versteht Frau Dr. Kreher, alle Patienten „mit ihren individuellen Bedürfnissen unvoreingenommen wahrzunehmen und ihre Behandlungsangebote und Räumlichkeiten jedem Einzelnen individuell anzupassen“. Deswegen bietet sie beispielsweise auch hör- und sprachbehinderten Patienten an, online zu ihr Kontakt aufzunehmen (www.kreher-beratung.de).

Der Einsatz eines Gebärdendolmetschers kommt für sie dagegen eher nicht in Frage, da eine dritte Person die für die psychotherapeutische Behandlung wichtige Privatsphäre zwischen ihr und dem Patienten stören würde.

„Die 100%ig barrierefreie Praxis“ wird es sicher niemals geben, sagt Frau Dr. Kreher. Allerdings lässt sich bereits mit wenig Aufwand, wie z. B. durch die Beschriftung der Praxisräume in großer Schriftgröße, die Ausweisung von Behindertenparkplätzen bei der Praxis oder eine gute und blendfreie Beleuchtung des Gebäudeeingangs und der Praxisräume ein barrierearmer Zugang zur Praxis gestalten.

Geeignete Ansprechpartner, insbesondere bei geplanten baulichen Veränderungen der Praxis, sind Architekten und Bauingenieure, die mit der zugrunde liegenden DIN-Norm 18040-1 Barrierefreies Bauen – öffentlich zugängliche ­Gebäude vertraut sind. Auch die KV Sachsen berät ihre Mitglieder zum Thema Barrierefreiheit.

Dr. Marie-Luise Kreher ist es ein wichtiges Anliegen, Ärzte mit Behinderung zu ermutigen, in der Niederlassung tätig zu werden.

Sie selber bietet als Weiterbildungsermächtigte sowie als Kooperationspartnerin des Zentrums für Psychotherapie Chemnitz und im Rahmen ihrer Praxisgemeinschaft (Fachärztin für Psychotherapie und Heilpraktiker für Psychotherapie, Standort des TherMedius-Instituts in Freiberg) Aus- und Weiterbildungen für behinderte Ärzte und Psychologen an. Auch allgemein versteht sie sich als Ansprechpartnerin für Ärzte mit Behinderung.

Gern würde sie auch mit niedergelassenen behinderten Kollegen in Gedankenaustausch treten (alle Kontaktinfos unter www.ml-kreher.de). Aus ihrer Sicht ist „man eigentlich nicht behindert, sondern wird behindert, so am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen wie Nichtbehinderte.“

Wie sie aus eigener Erfahrung sowie Erlebnisberichten ihrer behinderten Patienten weiß, könnte eine bessere gesellschaftliche Einbindung Behinderter erreicht werden. Hilfreich wäre z. B., wenn an wichtigen Stellen von Institutionen, die für Behinderte Entscheidungen treffen, fachlich kompetente und empathische Personen oder noch besser: Menschen, die selbst behindert sind, ihren Dienst verrichten würden.

Der Ärztin ist es wichtig, dass Behinderung nicht zwangsläufig mit einer oft von Nichtbehinderten vermuteten verminderten Leistungsfähigkeit einhergeht. Denn Behinderte sind oft anstrengungsbereiter und auch belastbarer als eine nicht behinderte Person und haben deshalb uneingeschränkten Respekt verdient.

„Barrieren abbauen“ – mit dieser Informationskampagne informiert die Kassenärztliche Bundesvereinigung seit dem vergangenen Jahr über barrierefrei zugängliche Arztpraxen in Deutschland. Niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten sollen für das Thema sensibilisiert werden, damit Patienten mit einer Behinderung einen leichteren Zugang zur medizinischen Versorgung erhalten. Die KV Sachsen hat im Herbst 2013 ein Rückmeldeformular zur Barrierefreiheit in Arztpraxen an ihre Mitglieder verschickt. Die ersten Informationen zur Barrierefreiheit in den sächsischen Arztpraxen stehen seit dem
1. Juli 2014 in der Arztsuche der KV Sachsen zum Abruf bereit. Sofern
uns über Praxen noch Angaben zur Barrierefreiheit fehlen, können diese gern nachgereicht werden. Hierfür haben wir weitere Informationen zur Barrierefreiheit und ein Rückmeldeformular auf unserer Homepage unter www.kvsachsen.de/mitglieder/arbeiten-als-arzt/barrierefreiheit bereitgestellt. Fragen zum Thema Barrierefreiheit können gern an sicherstellung@kvsachsen.de gesendet werden.

– Sicherstellung/schroe/vö –

Erstes Praxisnetz Deutschlands in Stufe 1 in Sachsen anerkannt

Gemeinsame Presseerklärung der KV Sachsen und des Leipziger Gesundheitsnetz e. V.

Dresden/Leipzig, 11. September 2014 – Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen zertifiziert das „Leipziger Gesundheitsnetz e.V.“ als erstes Praxisnetz in Stufe 1.

Zum Jahresbeginn hatte die KV Sachsen eine Richtlinie zur Anerkennung von Praxisnetzen erlassen. Herr Dr. med. Jürgen Flohr, Vorstandsvorsitzender des Leipziger Gesundheitsnetzes, und seine Kollegen erfüllen als erstes Praxisnetz in Deutschland die hohen über die Basisstufe hinaus gehenden Anforderungen der Stufe 1 der dreistufigen Anerkennungsrichtlinie und wurden von der KV Sachsen anerkannt.

In der Richtlinie der KV Sachsen ist als Voraussetzung für eine Anerkennung unter anderem vorgesehen, dass das Netz aus mindestens 20, höchstens 100 Praxen besteht und mindestens drei Fachdisziplinen, darunter die Allgemeinmedizin als obligate Disziplin, vertreten sind. Die insgesamt 80 Praxen des Leipziger Gesundheitsnetzes bilden einen interdisziplinären Zusammenschluss, der sich flächendeckend über das Stadtgebiet von Leipzig und Teilen des Leipziger Umlandes erstreckt. Das Praxisnetz hat bereits vor Inkrafttreten der gesetzlichen Regelungen als kooperativer, interdisziplinärer Zusammenschluss agiert. Der Verein wurde im November 2009 gegründet und zählt inzwischen 103 Mitglieder.

Im Rahmen der Patientenorientierung verwendet das Leipziger Gesundheitsnetz z. B. Medikationspläne für seine Patienten und arbeitet netzintern nach Verfahrensanweisungen, die eine schnellere Terminvergabe ermöglichen. Die Ziele der Therapiekoordination im Netz sind unter anderem die Vermeidung von Doppeluntersuchungen, ein umfassendes Patientenmanagement und die Verringerung von Wartezeiten. Das Netz bietet zudem Informationsmöglichkeiten für Patienten in Form von Broschüren, Veranstaltungen oder Informationen auf der eigenen Webseite.

Die kooperative Berufsausübung wird im Netz unter anderem durch Fallbesprechungen und zahlreiche Qualitätszirkel gelebt. Im Rahmen des Strukturvertrages „Pflegeheim Plus“ zur Kooperation mit dem Pflegeheim „Domizil am Ostplatz Leipzig“ wird die elektronische Patientenakte geführt. Die Bildung einer lücken­losen Versorgungskette durch Abschluss von weiteren Kooperationen ist ein weiteres Ziel des Netzes.

Die verbesserte Wirksamkeit von arzt- und patientenorientierten Abläufen wird vor allem in einem jährlichen Netzbericht gemessen. Die Einbeziehung der Patientenperspektive spielt dabei eine große Rolle. Das Leipziger Gesundheitsnetz verwendet standardisierte Patientenfragebögen zur Auswertung der Patientenzufriedenheit und verfügt über ausführliche Regelungen zum Beschwerdemanagement.

Die Anerkennung von Praxisnetzen ist einer der Ansätze des GKV-Versorgungsstrukturgesetzes vom 1. Januar 2012 zur Verbesserung der Qualität der ambulanten wohnortnahen vertragsärztlichen Versorgung. Das Leipziger Gesundheitsnetz hat mit der Anerkennung die Basis für die Förderwürdigkeit von Praxisnetzen in Sachsen geschaffen.

V.i.S.d.P.:

Dr. med. Claus Vogel
Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KV Sachsen

Dr. med. Jürgen Flohr
Vorstandsvorsitzender des Leipziger Gesundheitsnetzes