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Der Wunschzettel des Herrn Graalmann

Gefühlt kommen die Vorboten der Weihnachtszeit immer früher über uns. Bereits im Oktober bevölkerten erste Schokoladenweihnachtsmänner die Verkaufsregale. Wunschzettel las man, ebenfalls weit vor dem Fest, sogar in der Zeitung. Wie den von Herrn Graalmann. „Wir möchten Ärzte und Krankenhäuser nach Qualitätskriterien aussuchen und mit diesen kassenspezifische Verträge machen können“, verriet der erst Ende September ins Amt gekommene Vorsitzende des AOK-Bundesverbandes der „Rheinischen Post“.

Weihnachten ist ja traditionell die Zeit der Träume und Märchen. Wohl deshalb träumte sich Jürgen Graalmann mit seinem Wunsch für den Gabentisch ins 19. Jahrhundert zurück.

Wir wissen nicht, lieber Weihnachtsmann, inwieweit Du in diesem speziellen Fall historisch bewandert bist. Für alle Fälle möchten wir Dir als kleine Hilfe das folgende Zitat aus einer Replik zur Geburt der gesetzlichen Krankenversicherung (siehe Sonderheft 20 Jahre KV Sachsen 2011) mit an die Hand geben, damit du den Herrn Graalmann besser verstehst: „Das Gesetz von 1883 bescherte den Krankenkassen eine einzigartige Monopolstellung, die sie weidlich ausnutzten. Sie suchten sich die für sie genehmen Ärzte, diktierten Bezahlung und Arbeitsverteilung von Kasse zu Kasse individuell nach ihrem Gutdünken.“

Jetzt macht es sicher Klick bei Dir und Du schlussfolgerst adventsgemäß: „Eigentlich will sich Herr Graalmann aus dem Stollen wie anno dunnemals nur die besten Rosinen herauspicken.“ Und Rosinen, die passen ja wieder zu Weihnachten.

Es kommt noch besser. Der Jürgen hat sogar verraten, welche Rosinen er besonders mag (und welche eben nicht). Anfang September, noch als designierter AOK-Chef, zog er im Ergebnis einer umstrittenen Umfrage seiner Kasse unter Ärzten zur Arbeitszeit in der Ärzte Zeitung das knallharte Fazit: „Hausärzte sind engagierter als Fachärzte“.

Lieber Weihnachtsmann! Bevor Du Herrn Graalmann bescherst, bedenke bitte wie die Geschichte von damals weiterging und lies die Fortsetzung des Zitates:
„Mit dieser Situation völlig unzufriedene Mediziner gründeten 1900 den Hartmannbund, einen wahren Kampfverband der Ärzte, denn er setzte bei den zahlreichen streikähnlichen Auseinandersetzungen dieser Zeit zwischen Ärzten und Krankenkassen maßgebliche Akzente. Im Forderungskatalog standen u. a. Kollektivverträge und die freie Arztwahl.“

Das klingt am Ende nach Unfrieden in der von Haus aus friedensstiftenden Weihnachtszeit. Vielleicht solltest Du doch dem Herrn Graalmann seinen Ausflug in die Vergangenheit ausreden. Immerhin könntest Du mit deiner Rute drohen.

– Öffentlichkeitsarbeit/ks –




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