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Albrecht Daniel Thaer

Albrecht Daniel Thaer (1861 – 1949)
Albrecht Daniel Thaer (1861 – 1949)

Begründer der deutschen Agrarwissenschaft

 

Von Manfred P. Bläske

 

Der Dresdner Bildhauer Ernst Rietschel (1804 – 1861) schuf neben vielen anderen Werken die wegen ihrer realistischen Behandlung im Rahmen klassizistischer Form berühmten Bronzestandbilder von Lessing in Braunschweig, Goethe und Schiller in Weimar sowie Thaer im Jahre 1850 in Leipzig. An einem jedem Leipziger bekannten Platz, direkt an der Moritzbastei hinter der einstigen Bürgerschule, stand es fast ein Jahrhundert, bis es 1947 einer „Trümmerbahn“ weichen musste, die riesige Mengen Kriegsschutt quer durch Leipzig transportierte. Glücklicherweise blieb es – wenn auch ohne Sockel – erhalten, landete hinter dem Augusteum, dann auf dem Agra-Gelände und zuletzt am agrarwissenschaftlichen Institut in der Johannisallee; dort für Fremde kaum zu sehen, aber es war, im Gegensatz zu vielen „verschwundenen“ Denkmalen der Stadt gerettet. Seit dem 25. Juni diesen Jahres steht es nun restauriert wieder am ursprünglichen Platz; mit erneuertem Sockel, der die alte Aufschrift trägt: „Ihrem verehrten Lehrer Albrecht Thaer die deutschen Landwirthe. MDCCCL.“ Nachstehend sei daran erinnert, das Thaer ursprünglich Arzt gewesen ist.

 

Albrecht Daniel Thaer wurde am 14. Mai 1752 in Celle geboren. Sein Vater war Sachse, stammte aus Liebenwerda und war in Celle Hofmedicus, seine Mutter die Tochter eines Kastners, des Landrentmeisters von Celle. Die „Welt des Ackerbaus“, der sich Thaer später zuwenden wird, war ihm somit schon als Kind zumindest nicht unbekannt. In seinen jungen Jahren recht eigenbrötlerisch und zugleich genialisch sprach Thaer als Sechzehnjähriger zwar vorzüglich Englisch und Französisch, verstand jedoch kein Wort Latein. Beim Rektor des Celler Gymnasiums nahm er deshalb Privatstunden und holte mit größtem Fleiß innerhalb eines Jahres alles Versäumte so gut nach, dass er nach einem weiteren Jahr an der Universität Göttingen ein Medizinstudium beginnen konnte. Sein besonderes Interesse galt der Anatomie, doch wandte er sich bald der Pathologie mit einer Intensität zu, dass ihn selbst seine Lehrer immer häufiger zu Rate zogen. 1774 schrieb Thaer seine Dissertation und kehrte nach Celle zurück, um sich als praktischer Arzt niederzulassen. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten wurde er der bedeutendste Arzt Celles, Stadtphysikus und Hofmedicus. Nach seiner Vermählung erwarb er ein geräumiges Haus mit Garten, in dem er Blumen zog und Züchtungen vornahm.

 

Bald kaufte Thaer vor der Stadt ein sechzehn Morgen großes Gelände, dem seine ganze Freizeit galt. Er legte Wiesen an, pflanzte Akazien, Lärchen, Pappeln und Obstbäume. Durch Zukauf wuchs der Besitz entlang der Aller auf 128 Morgen an, und Thaer entwarf, streng auf Zweckmäßigkeit orientiert, Wirtschaftsgebäude und ließ ein Wohnhaus nach eigenen Plänen bauen. Vierzehn Kühe und drei Ackergäule, zwei Knechte und zwei Mägde folgten; aus dem Blumenfreund war ein Landwirt geworden. Noch blieb er engagierter Arzt, wurde zudem Leibmedicus des Königs Georg III., doch sein Herz schlug für seine „Wirtschaft“.

 

Die Morgenstunden zwischen vier und sieben Uhr sowie der Abend gehörten seinen landwirtschaftlichen Studien, der Tag seinen Patienten. Ihm lag daran, den Bauern um Celle zu beweisen, dass Landwirtschaft weit mehr ist, als ihre traditionelle Art den Boden zu bestellen. Thaer wollte „die Betreibung dieses wichtigen, verwickelten, unerschöpflich künstlichen Gewerbes zu wohlverdienten Ehren bringen“. So war es eins seiner ersten Ziele, auf einer bestimmten Fläche die größte Menge zu tierischer Nahrung ge-eigneter Pflanzen zu gewinnen, wobei er der Kartoffel auch für die Ernährung des Menschen eine besondere Rolle zumaß. Mit seiner „Fruchtfolge“, nach der Thaer die eigenen Felder bestellte, machte er die bis dahin übliche Brache entbehrlich. 1802 gründete er in Celle das erste deutsche landwirtschaftliche Lehrinstitut, das schnell über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurde.

 

Zwei Jahre später übersiedelte Thaer nach Preußen und erwarb das Rittergut Möglin. Während Celle ein Modell war, wurde seine Landwirtschaftliche Akademie Möglin zum Muster und hieß ab 1819 „Königliche akademische Lehranstalt des Landbaus“. Hier entwickelte er seine Grundsätze der rationellen Landwirtschaft, die ihn zum Gründer der deutschen Agrarwissenschaft machten. Seine in Celle gesammelten Erfahrungen in der Pflanzenzüchtung kamen ihm in Möglin bei der Schafzucht zugute, und bereits 1815 wurde seine Wolle auf dem Berliner Wollmarkt nicht nur als die Beste erklärt, es gelang ihm sogar, in der vierten Generation Schafe zu züchten, die eine verlangte Wolleigenschaft lieferten; Qualität auf Bestellung!

 

Im Jahre 1810 – Thaer wurde im gleichen Jahr Professor an der Berliner Universität – erschien sein vierbändiges epochales Meisterwerk „Grundzüge der rationellen Landwirthschaft“, das in mehrere Sprachen übersetzt wurde.

 

Albrecht Daniel Thaer starb am 26. Oktober 1828 in Möglin.

 

 

 

 

 

Texte und Abbildungen der Reihe „Auch er war Arzt“ sind urheberrechtlich geschützt!

 

 

 

 

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