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Gerecht verteilen geht nur miteinander

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

kennen Sie eigentlich jemanden, der mit dem zufrieden ist, was er am Monats- oder Quartalsende als finanzielles Äquivalent für seine Arbeit auf dem Konto vorfindet? Wer? Ach der! Nein, der hat sich noch nicht bei uns gemeldet. Die allgemeine Erfahrung lehrt, dass jeder erwartet, dass zunächst mal die ihn betreffende Ungerechtigkeit beseitigt wird. Bei aller Umverteilung gibt es aber insgesamt nicht mehr Mittel. So beschwert sich natürlich erst einmal jener, der etwas einbüßt. Jener, der etwas mehr erhält, ärgert sich auch, weil es zu wenig ist. Wie ist hier gerechte Verteilung erreichbar?

 

Die KBV und die Kassen verhandeln in diesen Wochen wieder über Änderungen an der Gebührenordnung. Da lässt die nächste Reform des Einheitlichen Bewertungsmaßstabes (EBM) wohl nicht mehr lange auf sich warten.

 

Ich habe mich unter den Kolleginnen und Kollegen umgehört. Die Ärzteschaft ist gedrittelt: Das erste Drittel fordert eine echte Reform, neue Zahlen und neues, d.h. mehr Geld. Das zweite Drittel lehnt Änderungen ab, das bringe alles durcheinander und am Ende gäbe es sowieso nicht mehr. Das dritte Drittel wünscht teilweise Veränderungen.

 

So erwarten konservativ tätige Augenärzte, HNO-Ärzte sowie Pädaudiologen eine leistungsgerechtere Vergütung. Für diese Arztgruppen hat der Bewertungsausschuss (BA) am 31. August beschlossen, neue Gebührenordnungspositionen in den EBM aufzunehmen. Damit will er bestehende Honorardefizite in den Bereichen HNO und Augenheilkunde ausgleichen.

 

Die Krankenkassen stellen für die Honorierung der Leistungen keine zusätzlichen Mittel bereit. Die Finanzierung erfolgt stattdessen aus dem vorhandenen fachärztlichen Honorarvolumen. Nur unter diesen Voraussetzungen hatten die Krankenkassen auf Bundesebene den Änderungen zugestimmt.

 

Von der KBV war zu hören, dass sie von den Pauschalen abrücken und stärker hin zur Einzelleistungsvergütung wolle. Es wird sicher keinen komplett neuen EBM geben, jedoch ist wohl von diversen Änderungen auszugehen, um die Interessen verschiedener Fachgruppen besser berücksichtigen zu können. Die schwierigen Verhandlungen werden sich nach Lage der Dinge noch hinziehen, da das Versorgungsstrukturgesetz mit seinen umfangreichen Änderungen, wie der stärkeren Regionalisierung, auch Auswirkungen auf den EBM haben wird. Die besonders von den beiden süddeutschen Bundesländern so vehement geforderte Regionalisierung wird auch für uns neue Herausforderungen bringen.

 

Im Gegensatz zu manchen Banken können wir nur durch Einnahmen gedecktes Geld verteilen.

 

Jede Verhandlung ist eine Gratwanderung zwischen verschiedenen Interessen. Allgemein akzeptable Lösungen gibt es nur, wenn wir die Gesamtheit der Notwendigkeiten und Möglichkeiten im Blick haben. Dabei sollten geringe Schwankungen und kleiner ausfallende Steigerungen beim Honorar weder die Existenz der Praxis noch den Frieden zwischen den Kollegen gefährden. Neid und kleinteilige Betrachtung helfen dabei nicht. So bleiben wir weiter für die konstruktiven Gespräche mit den einzelnen Berufs-verbänden in unserem Hause sehr dankbar.

 

In diesem Sinne verbleibe ich

 

mit freundlichen kollegialen Grüßen, auch im Namen von Herrn Heckemann,

 

 

 

 

 

Ihr Stellv. Vorstandsvorsitzender

 

 

Foto des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Prof. Dr. Heiner Porst

Signatur Porst

 

 

 

 

 

 

Heiner Porst

 

 

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