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Michael Grundmann, Facharzt für Allgemeinmedizin in Schmiedeberg: Bienen und Landärzte sind keine aussterbende Spezies

Bei der provokanten Frage „Wer ist eher vom Aussterben bedroht – die Landärzte oder die Bienen?“ sieht Michael Grundmann diese Gefahr in beiden Fällen nicht. Er sollte es wissen, denn der Allgemeinmediziner betreibt eine Praxis in Schmiedeberg (Landkreis sächsische Schweiz-Osterzgebirge) und hat sich als Hobby der Imkerei verschrieben.

In den Beruf hineingewachsen

Den Berufswunsch Arzt hatte Michael Grundmann in jungen Jahren noch nicht. „Ich wollte ein Handwerk erlernen und bekam keine Lehrstelle“, erinnert er sich. „Über mein Interesse an Naturwissenschaften bin ich dann doch zur Medizin gekommen.“ Über die Jahre ist der 44-Jährige in den Beruf hineingewachsen und entdeckt das Arztsein inzwischen immer mehr als Berufung für sich. Herr Grundmann verbrachte Kindheit und Jugend in einem Dorf bei Hechingen in Baden-Württemberg, besuchte aber oft und gern die Verwandtschaft in Sachsen: „In Dresden kannte ich mich bald besser aus als in Stuttgart.“ Nach dem Studium (von 1987 – 1994) in Tübingen zog es ihn nach Sachsen. Der Jungmediziner bekam eine AIP-Stelle in Dippoldiswalde und übernahm dann eine Praxis in Bärenfels, einem Ortsteil der bekannten ostsächsischen Wintersportgemeinde Altenberg. 2008, „als ringsum die Kollegen einer nach dem anderen aufhörten und sich das Einzugsgebiet erweiterte“, verlagerte der FA für Allgemeinmedizin die Praxis ins nur wenige Kilometer von Bärenfels entfernte, verkehrsgünstig an der Bundesstraße 170 gelegene Schmiedeberg.

Für den Arzt macht die Vielfalt den Reiz in der Allgemeinmedizin aus. Dabei kennt der Praktiker die speziellen Herausforderungen an einen Landarzt im Gebirge nur zu gut: „Ich betreue Patienten in einem Umkreis von 15 bis 20 km, fahre manchmal über 100 km Hausbesuche am Tag und im Winter muss ich mir in Hochlagen überlegen, ob ich weiterfahre oder laufe.“ Trotz der Probleme zeigt er sich überzeugt, dass der Landarzt nicht ausstirbt, sieht aber für die Zukunft die Perspektive eher weg vom Einzelkämpfer vor Ort hin zur flexibleren Gemeinschaftspraxis.

Imker in Grenzlage

Michael Grundmann ist ein Frühaufsteher. Häufig macht er von 6.00 bis 7.00 Uhr Hausbesuche. Er hat viele Patienten „oben“ in Hermsdorf. „Da werde ich früh oft telefonisch gebeten, noch vor der Sprechstunde hinzukommen.“

Nebenbei verschafft er sich so auch etwas mehr Freiraum am Abend für sein besonderes Hobby – die Betreuung der Bienen. Mit der Imkerei begann es kurz vor dem Studium. „Man muss sich da richtig rein­denken, weil die Abläufe sehr kompliziert sind“, findet Michal Grundmann beson­ders interessant. Schmerzfrei bleibt ein Imker freilich nicht. „Zu Beginn habe ich mal einen Stich ins Gesicht bekommen, da waren drei Tage beide Augen zugeschwollen“, berichtet er, „aber bei regelmäßiger Imkerei verliert das Gift schon an Wirkung.“

Derzeit betreut er zehn Bienenvölker. Der Ertrag an Honig ist sehr unterschiedlich. „Im letzten Jahr waren es 360 kg, es sind aber auch manchmal nur 100 kg. Der Bienenzüchter bewertet das laufende Jahr für sich als gutes Jahr, denn „es ist nur ein Volk ohne Königin aus dem Winter gekommen.“ Insgesamt sorgt er sich allerdings um „im Moment flächendeckend extrem viele Völkerverluste“. Die Ursache dafür sieht er in der Kombination von Spritzmitteln beim Rapsanbau. „Die Bienen werden aber nicht aussterben, da gibt es genügend“, bleibt er optimistisch.

Mühlenbesitzer

Die Tierliebe des Arztes bezieht sich nicht nur auf die Bienen. Die Familie Grundmann wohnt heute in der historischen Körnermühle im Tal der „Wilden Weißeritz“, mit einem Anwesen von ca. 15 Hektar. Dort gibt es Kühe, Pferde, Schafe und Esel. „Meine Vorliebe in Richtung Landwirtschaft kommt aus meinem Interesse für die Biologie“, erklärt Michael Grundmann. Seine Mutter war eine geborene Körner. Sein inzwischen verstorbener Großvater verließ 1960 die DDR. 1992 erfolgte die Rückübertragung in Familienbesitz. Michael Grundmann ist seit seiner Kindheit mit der Mühle vertraut. „Wirtschaftlich konnten wir die Mühle nicht mehr betreiben“, resümiert der neue Mühlenbesitzer, „aber meine Frau arbeitete als Hauswirtschaftsleiterin eines Vereins und so entstand die Idee, einen Verein zu gründen.“ Heute hält der Verein „Körnermühle Christliches Leben e. V.“ für alle Interessierten verschiedenste Angebote bereit. Der Allgemeinmediziner sieht sich hier aber aus zeitlichen Gründen mehr als „Raum- und Ideegeber“. Fazit: Der gebürtige Schwabe ist schon längst in Sachsen voll angekommen – als Landarzt, als Familienvater von drei kleinen Kindern, als Imker, als Landwirt...


– Öffentlichkeitsarbeit/ks –
 


 

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