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Wolle mer se’ nei’ lasse?

Portrait des Vorstandsvorsitzenden Dr. Klaus Heckemann

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

 

ja, wenn Sie dieses Heft erhalten, ist der Karneval schon vorbei. Was wir aber in den letzten Wochen erlebt haben, passt in die tollen Tage. Aber der Reihe nach!

 

Wen wollen wir wo reinlassen? Kurz und knapp gesagt, sollen junge Mediziner in Sachsen die „alten“ Patienten übernehmen, damit Sie, Frau Kollegin, und Sie, Herr Kollege, eines nahen oder fernen Tages nicht nur ihre Praxis weiter geben können, sondern auch ihre Patienten in kontinuierlicher Betreuung bleiben. Wenn ich mir nun vorstelle, als Medizinstudent die aktuelle Presse zu lesen, finde ich kaum ein Motiv, eine solche Praxis zu übernehmen.

 

So ist zum Beispiel Anfang Februar pünktlich zum rheinischen Karneval wieder einmal Karlchen Überall, die gesundheitspolitische Geheimwaffe der SPD, in die Bütt gestiegen. Das Thema seiner Büttenrede kleidete er in die Form eines Gesetzentwurfes. Getreu dem Motto: „Vorurteile gilt es zu pflegen“, geht es im Kern darum, den arroganten und geldgeilen Weißkitteln in den Praxen wieder einmal so richtig schön den populistischen Marsch zu blasen.

 

Er (der Karl) hat sie (also uns Niedergelassene) durchschaut: Wir hofieren nur jene mit Privatpolice und diskriminieren die bemitleidenswerten GKV-Versicherten mit einem Wartezeitendiktat. Generell dürfen diese höchstens fünf Tage warten, hat der Professor wie auch immer ausgerechnet. Zum Begriff Freiheit fällt dem Marxisten offensichtlich weniger der „Freie Beruf“ als eher der „Doppelt freie Lohnarbeiter“ ein.

 

Den unbelehrbaren, sich auf die Freiberuflichkeit berufenden Ärzten, droht Lauterbach aus seiner Bütt mit 25.000 Euro Strafe und wenn das nicht ausreichend gegen die Ärzteschwemme hilft, mit zeitweiligem Zulassungsentzug.

 

Wenn der Mann mit der Fliege in seinem Strafenarsenal auch (noch?) vor dem Knast zurückschreckt, umso kreativere Kontrollmechanismen geistern in seinem Hirn herum: Speziell geschulte Kassenmitarbeiter sollen mit fingierten Testanrufen in den Praxen ausspionieren, ob Privatversicherte gar zügiger einen Termin bekommen. Da bietet sich doch im Zuge der Entbürokratisierung eine neue Kontrollbehörde an.

 

Als Herr Lauterbach im Ergebnis seiner famosen Vorschläge unter heftigen Gegenwind geriet, ruderte er dann – auf seine Art – „zurück“. Bevor der Gesetzgeber eingreift, solle in den ersten zwei Jahren die Ärzteschaft auf Grundlage ihrer selbst entwickelten Sanktionen für eine rasche Terminvergabe sorgen. Einfach genial. Die gesuchte Kontrollbehörde hieße dann KV. Die macht sich bei ihrer Klientel unbeliebt und lässt sich so noch besser abschaffen.

 

Ach Herr Professor, darauf passt vielleicht die Empfehlung:

„Mer losse d’r Dom in Kölle“ oder nüchterner: „Lassen wir die Kirche doch im Dorf!“

 

Man könnte das Ganze als Karnevalsscherz von Herrn Lauterbach abtun, aber immerhin verkauft er es als Gesetzentwurf der SPD. Vielleicht sollte diese Partei sich auf die alte Tugend ihres Altkanzlers Schmidt besinnen und die Gründe für lange Wartezeichen hanseatisch analysieren. Die Frage lautet: Vielleicht könnte sich gar zeigen, dass dies etwas mit dem Widerspruch zwischen begrenzten finanziellen Mitteln und unbegrenztem Leistungsversprechen der Politiker an die Versicherten zu tun haben könnte?

 

 

Zum Glück haben wir aber noch eine gute Nachricht für Sie und Ihre künftigen Nachfolger. Am 4. März hat der sächsische Landesauschuss zum ersten Mal die Bedarfsplanung mit demografischem Faktor beschlossen. Das ist einen besonderen Tusch wert.

 

Ohne hier jetzt auf Einzelheiten einzugehen (nähere Informationen finden Sie auf den Seiten 4 sowie III – VII) ist damit nicht mehr und nicht weniger als ein wichtiges Etappenziel erreicht. Endlich müssen wir nicht mehr

de facto in unterversorgten Gebieten eine Überversorgung feststellen. Und was ganz wichtig für unseren ärztlichen Nachwuchs ist:

Mir dürfe se’ jetzt nei’ lasse!

 

 

Mit trotzdem sehr ernsthaften und herzlichen Grüßen

Sig. Dr. Klaus Heckemann





Ihr Vorstandsvorsitzender Klaus Heckemann

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