Warum trete ich an?
Sie sind, wie Ihrer Vita zu entnehmen ist, 2007 in den verdienten Ruhestand gegangen. Was hat Sie bewogen, sich für die Aufgaben eines Stellv. Vorstandsvorsitzenden der KVS zur Verfügung zu stellen?
Ich habe den Anspruch, mich bei meiner Arbeit entwickeln zu können. Im Vorstand der KV Sachsen zu arbeiten ist eine solche Herausforderung, die mich reizt. Ich kenne und schätze die Führung der KV Sachsen fachlich und menschlich.
Was ist das Wichtigste oder sind die wichtigsten Ziele, die Sie sich für diese Wahlperiode vorgenommen haben?
Kontinuität und Fortschritt gehören in ihrem scheinbaren Gegensatz zusammen. Ich habe das schon im Editorial ausgeführt. Meine geschätzte Vorgängerin Ulrike Schwäblein-Sprafke hat im letzten Editorial geschrieben „vordergründig ging es in den berufspolitischen Kämpfen um’s Geld. Doch für mich standen immer die Menschen im Mittelpunkt: unsere Patienten und die Kollegen“. Das sehe ich auch so, mit einem Unterschied: es geht beim Streit um MEHR Geld. Die Ansprüche an die medizinische Versorgung vor Ort steigen auch ständig, ebenso der Anteil der Alten und Kranken an der Bevölkerung. Wenn wir mehr Nachfolger für unsere Praxen finden wollen, kostet das auch Geld. Ich strebe Pragmatismus an im schwierigen Spagat zwischen festgelegten politischen Dogmen und den Bedingungen und den Herausforderungen der täglichen Praxis.
Als Sie 1992 die ärztliche Leitung einer Klinik übernahmen, haben sich viele unserer Mitglieder niedergelassen. Die kleinteilige wohnortnahe Versorgung boomte. Heute geht der Trend zu größeren Versorgungseinheiten. Wie bewerten Sie das und wie wird die Versorgungslandschaft 2016 aussehen?
Das ist natürlich schwer zu sagen. Das Nebeneinander wird erhalten bleiben. Es bleibt vom Standort abhängig, welche Form sich vor Ort etabliert. Es wird wohl keine Landpolikliniken geben, in unterversorgten Gebieten werden die kleinen Krankenhäuser wahrscheinlich zunehmend in die ambulanteVersorgung eingegliedert.
Sie sind Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologe. Professor Lauterbach ist die Personifizierung des Kampfes gegen die zweite Facharztschiene. Wie sehen Sie hier die Entwicklung?
Sowohl die Krankenhäuser als auch die ambulante Medizin stehen unter dem Druck des ärztlichen Nachwuchsmangels. Die wohnortnahe hausärztliche und primäre fachärztliche Versorgung halte ich für unverzichtbar und auch machbar, solange nicht spezielle politische Ideen nach einer Bundestagswahl zur gesetzgeberischen Gewalt werden. Da könnte so eine Schiene durchaus ein „Rhönrad“ verstärken. Bei den spezialisierten ambulanten Fachärzten gibt es durch den medizinisch-technischen Fortschritt neue Möglichkeiten, ursprünglich nur in Krankenhäusern mögliche Leistungen ambulant zu erbringen. Das führt auch politisch befördert zunehmend zu einer Konkurrenzsituation. Hier sehe ich gute Verzahnungsmöglichkeiten vor Ort, im Interesse der Patienten.
Was schlägt dem Gastroenterologen berufspolitisch selbst auf den Magen?
Wenn persönliche Interessen sachliche Lösungen verhindern, passiert das schon. Das erlebe ich bei mancher Scheinheiligkeit in der Politik, aber auch bei hausgemachten Problemen in der Ärzteschaft. Ein geradezu klassisches Beispiel von Profilierungssucht, Führungsanspruch und Grabenkämpfen haben wir gerade in Nürnberg erlebt. Hier verschreibe ich einfach solide Sacharbeit im Spannungsfeld der Akteure im Gesundheitswesen, ohne Risiken und Nebenwirkungen jeden Morgen nach dem Frühstück zu verinnerlichen.
Prof. Dr. med. habil. Heiner Porst
- FA für Innere Medizin (klinisch) in Dresden
- 1943 geboren
- 1963 – 1969 Studium der Humanmedizin in Olmütz (CSSR) und Dresden
- 1969 Approbation und Promotion zum Dr. med.
- 1974 Facharztausbildung Innere Medizin
- 1979 Oberarzt, Anerkennung als Subspezialist für Gastroenterologie
- 1981 Habilitation
- 1984 – 2007 Chefarzt der 3. Medizinischen Klinik im Klinikum Dresden-Friedrichstadt
- 1990 Professor für Innere Medizin an der Medizinischen Akademie
- 1992 – 2005 Ärztlicher Direktor des Klinikums Dresden-Friedrichstadt
- 2001 Wahl in die Vertreterversammlung der KV Sachsen
- 2001 – 2004 Vorstandsmitglied der außerordentlichen Mitglieder
- 2005 – 2007 Stellv. Vorsitzender der Vertreterversammlung der KV Sachsen
- ab 2011 Stellv. Vorstandsvorsitzender der KV Sachsen

