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KV – was sonst?

Ehrlichkeit, Pragmatismus und innerärztliche Solidarität

 

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

 

wie Sie wissen, hat mich die neue Vertreterversammlung im Oktober 2010 zum Stellv. Vorstandsvorsitzenden der KV Sachsen gewählt. Ich habe diese Wahl sehr gern angenommen. Das in geheimer Wahl erzielte Votum betrachte ich als Vertrauensvorschuss und Verpflichtung, mich wieder mit ganzer Kraft für unsere ärztlichen Interessen einzusetzen. Dabei fühle ich mich den Prinzipien Ehrlichkeit, Pragmatismus und innerärztliche Solidarität besonders verbunden.

 

Nach 38-jähriger (ich denke sehr intensiver) ärztlicher Tätigkeit – von der Poliklinik bis zum Chefarzt und auch mit 8-jähriger „Nebentätigkeit“ in der Vertreterversammlung bzw. im Vorstand der KV Sachsen – hatte ich mich mit 63 Jahren schon in den Ruhestand verabschiedet. So mancher wird sich fragen, warum geht er jetzt noch mal in die Berufspolitik?

 

Zu meinen Beweggründen mehr im Porträt auf Seite 14. Hier nur so viel: Langweilig war es mir bestimmt nicht. Neben „der Pflege“ meiner Hobbys und der Beschäftigung mit meinen Enkeln habe ich nie aufgehört, interessiert und kritisch zu hinterfragen, was sich in der Gesundheitspolitik so tut. Beobachtet habe ich dabei Diskussionen mit unzufriedenen Ärzten aus Klinik und Praxis. Dabei entstand bei mir das Gefühl und letztlich der Wunsch, sich erneut zu engagieren und einzumischen. Unerträglich war der Gedanke, eines schönen Tages in die Gruppe der inaktiven Besserwisser hinein zu mutieren.

 

In der (erneuten) KV-Arbeit sehe ich gute Möglichkeiten eines sinnvollen Engagements in der Gesundheitspolitik und einer hoffentlich erfolgreichen „Einmischung“. Hier treffe ich auf bekannte und geschätzte Mitstreiter: einen kollegialen, hoch qualifizierten und motivierten Kollegenkreis. Auch ich fühle mich zu 100 Prozent der KV verpflichtet und möchte fern jeder Profilierungssucht arbeiten.

 

Als „fachärztlicher“ KV-Vize (ich bin Facharzt für Innere Medizin mit Subspezialisierung für Gastroenterologie) sehe ich es als meine Aufgabe an, mich für die Interessen aller Mitglieder – Hausärzte, Fachärzte und Psychotherapeuten – gleichermaßen einzusetzen. Ich bin schließlich auch von allen mehrheitlich gewählt worden. Grabenkämpfe und ein hausgemachtes Chaos infolge ständiger Streitereien zwischen den Fachgruppen (wie derzeit in Bayern) lehne ich als jemand ab, der sich aus voller Überzeugung der ärztlichen Solidarität verpflichtet fühlt. Ein eigener Weg der Hausärzte mit Selektivverträgen, wie ihn ein Herr Hoppenthaller aus rein monetären Erwägungen in Bayern verfolgt hat (und der glücklicherweise erst einmal gründlich schief ging), führt zur Spaltung der Ärzteschaft und bedroht das gesamte Gesundheitssystem und damit auch die Hausärzte. Und auch das gehört zur Ehrlichkeit: Im KV-System gehören die bayerischen Hausärzte in Deutschland zu den Bestverdienern. Einen Bericht von der Veranstaltung in Nürnberg finden Sie auf Seite 4.

 

Hier sehe ich gleich den Ansatz für die Ziele meiner Arbeit: Es sind Kontinuität und gleichzeitig Fortschritt notwendig, um weitere Auseinandersetzungen zwischen Haus- und Fachärzten, zwischen den Facharztgruppen, zwischen Ärzten und Psychotherapeuten und zwischen Klinikern und Niedergelassenen zu verhindern. Das bedeutet für mich viermal Kontinuität und Fortschritt:

  • Kontinuität im Kampf um den vollständigen Honorarangleich Ost-West
  • Kontinuität im Kampf um weitere Fortschritte bei der gerechten Verteilung der Gesamtvergütung
  • Kontinuität im Kampf gegen den Ärztemangel, z.B. durch Fortschritte bei der Verbesserung der Bedarfsplanung und
  • Kontinuität im Kampf um die wohnortnahe haus- und fachärztliche Versorgung im gesamten Freistaat Sachsen mit fortschrittlichen Lösungsmodellen

Dazu möchte ich mit meinen Kollegen und den Mitarbeitern die gesamte Ärzteschaft durch eine effizient agierende KV stärken, durch was sonst? Ich kannte und kenne die KV aus Sicht eines Klinikchefs, als außerordentliches Vorstandsmitglied und zuletzt eines zeitweiligen Ruheständlers. Wissen eigentlich alle Mitglieder, was sie an ihrer guten alten Körperschaft haben? Manch Gutes ist so selbstverständlich, dass man es erst schätzt, wenn man es verliert. Das haben wohl manche Kollegen in Bayern auch im letzten Moment begriffen.

 

Ich kann absehbar keine Alternative zum KV-System erkennen, bin mir der Gratwanderung zwischen den Zielen der Fachgruppen, der einzelnen KVen und der KBV, den Zwängen einer Körperschaft im System von Politik und Gesetzen durchaus bewusst. Ich möchte möglichst viele Ärzte durch bessere Kommunikation auf Augenhöhe und gegenseitige Achtung an die KVS binden. In diesem Sinne freue ich mich auf die Arbeit für Sie und die gute Zusammenarbeit mit Ihnen und wünsche Ihnen, Ihren Familien und Ihren Mitarbeitern alles Gute für das neue Jahr.

 

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Foto des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Prof. Dr. Heiner Porst

Signatur Porst

 

 

 

 

 

 

Heiner Porst

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