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Ein Synonym für deutsche Chirurgie: Vor 200 Jahren wurde Bernhard von Langenbeck geboren

Von Manfred P. Bläske

 

„Seine Schriften bekunden eine ehrenwerte wissenschaftliche Richtung, sein operatives Talent findet widerspruchslose Anerkennung, und seine Schüler rühmen die Gabe seines Vortrages.“ Mit diesen Worten aus einem Schreiben an das zuständige Minis-terium setzte sich die Berliner medizinische Fakultät für Langenbeck ein, nachdem der große Johann Friedrich Dieffenbach 1847 plötzlich verstorben war. Die Fakultät hatte eine schnelle Berufung erwartet; indessen ereigneten sich „Querschüsse“, die zu einer Interimsleitung führten. Doch dann folgte etwas Ungewöhnliches. Langenbeck hatte als Kriegschirurg bereits beträcht-liche Popularität erreicht, und sein Ruf als genialer Chirurg war der Auslöser einer studentischen Unterschriftenaktion, auf die der Minister wie folgt reagierte: „Wenngleich ich die Kompetenz der jugendlichen Antragsteller bezweifeln will, so muss ich doch ...“ – Die Berufung Langenbecks erfolgte am 13. Mai 1848.

 

Im bescheidenen Pfarrhaus des östlich der Wesermündung gelegenen Dorfes Padingbüttel wurde Bernhard Rudolf Konrad Langenbeck 1810 geboren. Sein Vater, ein früherer Feldprediger, war Ortspastor, der seine beiden Söhne selbst unterrichtete. Erst 1827, mit der Berufung des Vaters als Superindendent nach Sandstedt, wurde Bernhard – inzwischen 17 Jahre alt! – Primaner am Hildesheimer Andreas-Gymnasium und am dortigen Internat untergebracht. Hier bereitete er sich, der Familientradition entsprechend, auf ein Theologiestudium vor. Seine Neigungen galten jedoch den Naturwissenschaften, und angeregt durch seinen Onkel, den Chirurgen und Anatomen Konrad von Langenbeck (1776 – 1851), wurde Bernhard nach Erlangung eines nur mäßigen Reifezeugnisses im Oktober 1830 Medizinstudent an der Georg-August-Universität zu Göttingen.

 

Während seiner gesamten Studienzeit lebte und studierte Langenbeck im Hause seines Onkels, der mit ausgeprägten

 

Tugenden wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Arbeitsfreude für den Neffen im Denken und späteren Schaffen und Forschen zum großen Vorbild wurde. Konrad Langenbeck war einer der vortrefflichsten medizinischen Lehrer Göttingens, der bereits damals seine Studenten für mikroskopische und experimentelle Studien begeisterte. Auch Bernhard Langenbeck erwarb sich schnell beachtliches Geschick im Sezieren und Präparieren. Seine Neigung zur Histologie bildete die Grundlage zu einer lobend aufgenommenen Arbeit „De retinae structura penitiori“ (Über die tiefere Struktur der Retina), auf deren Basis er nach bestandenem Examen – „eximius cum laude“ – im April 1834 zum Doctor medicinae promoviert wurde. Er erweiterte später seine Netzhautstudien mit dem ausführlichen Werk „Anatomische pathologische Studien der Retina“, das bereits 1836 erschien, unter Fachleuten für Aufsehen sorgte und dem Verfasser ein Reisestipendium einbrachte, um sich im Ausland die neuesten Kenntnisse auf den Gebieten Histologie und Chirurgie aus erster Hand aneignen zu können. Die Reise führte den jungen Arzt für achtzehn Monate nach Frankreich, Holland, Belgien und nach England. Nach der Rückkehr habilitierte er sich in Göttingen zum Privatdozenten,

erhielt eine außerordentliche Professur; 1842 folgte die Berufung als ordentlicher Professor für Chirurgie nach Kiel.

 

Als Generalstabsarzt erwarb sich Langenbeck 1848 im Krieg gegen Dänemark hohe Verdienste. Als Chirurg zeichnete er sich durch Ruhe, Entschlossenheit, Umsicht, Geschicklichkeit und vor allem durch Schnelligkeit aus; Eigenschaften, die im gleichen Jahr zu seiner Berufung nach Berlin auf den Lehrstuhl für Chirurgie und zum Direktor des klinischen Instituts für Chirurgie und Augenheilkunde führten. Seine vornehme und menschenfreundliche Art im Verkehr mit den Patienten brachten ihm große Beliebtheit in allen Bevölkerungsschichten ein, so dass Langenbeck zeitlebens eine große Klientel zu betreuen hatte. Entsprechend dem damaligen Stand der Medizin behandelte er viele seiner Privatpatienten noch in ihren Wohnungen und operierte sie auch dort oder in Berliner Hotels!

 

Es fehlt hier der Raum, um die vielen Neuerungen aufzuzählen, die mit dem Namen des 1864 Geadelten verbunden bleiben. Vielmehr sei an den bedeutenden Organisator erinnert, der sich durch seine Bemühungen um Einheitlichkeit und Gemeinsamkeit in der Entwicklung der operativen Medizin nachhaltige Verdienste für die deutsche Chirurgie erwarb. Seit langem war es sein Ziel, die deutschen Chirurgen in einer Fachgesellschaft zu vereinen. Ab dem ersten Sitzungstag am 10. April 1874 stand er bis 1885 an der Spitze der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, deren legendäre Tagungen die Entwicklung des Faches bis in unsere Tage widerspiegeln.

 

Eine weitere bedeutende Leistung war die Herausgabe der Fachzeitschrift Archiv für klinische Chirurgie im Jahre 1861, die Dank seiner Autorität zum führenden Fachblatt der Deutschen Chirurgie wurde und unter dem Namen Langenbecks Archiv bis heute internationale Anerkennung genießt.

Bildnis von Bernhard von Langenbeck
Bernhard von Langenbeck
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