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Spiegel-Artikel zum Medizinermangel stellt falsche Behauptungen auf

Sicherstellung – KBV-Chef: Es bedarf gesamtgesellschaftlichen Engagements im Kampf gegen den Ärztemangel


„Es ist schade, dass das Nachrichtenmagazin ,Der Spiegel‘ eine Chance vertan hat, einen faktenorientierten Artikel zum Problem des Ärztemangels zu veröffentlichen. Stattdessen hat es ein an Verschwörungstheorien erinnerndes Pamphlet verfasst, das sachlich auch noch falsch ist. Das war kein sinnvoller Diskussionsbeitrag, wie man es von einem sich als Leitmedium definierenden Magazin erwarten darf“, erklärte heute Dr. Andreas Köhler, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Er bezog sich auf den Bericht „Lücken im System“ in der aktuellen Ausgabe des ,Spiegels‘.

Der KBV-Chef führte aus: „Junge Mediziner stehen heutzutage vor der Situation, dass sie sich aussuchen können, was sie einmal beruflich machen wollen. Ob Krankenhäuser, die ambulante Versorgung oder das Ausland, alle werben um den ärztlichen Nachwuchs.

Bei der Entscheidung für oder gegen eine Niederlassung spielen viele Faktoren eine Rolle: die Infrastruktur vor Ort, finanzielle Rahmenbedingungen und auch die Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) tun alles dafür, diese Faktoren günstig zu gestalten, etwa mit Umsatzgarantien oder Investitionshilfen für Praxen.

Gemeinsam mit den KVen hat sich die KBV im Jahr 2007 zudem für das Vertragsarztrechtsänderungsgesetz stark gemacht, das unter anderem Teilzeit-Arbeitsmöglichkeiten für Ärzte geschaffen hat. Auch die Förderung der Allgemeinmedizin haben wir umgesetzt. Mit starker Unterstützung von KVen sind Lehrstühle für Allgemeinmedizin entstanden. Bei all diesen Maßnahmen darf man jedoch nicht vergessen: Ärzte sind Freiberufler. Niemand kann sie zwingen, sich in bestimmten Gegenden niederzulassen, auch nicht die KVen.

Was Ärzte und Psychotherapeuten brauchen, sind stabile Rahmenbedingungen. Elf Gesundheitsreformen seit 1989 haben zu einer ausufernden Bürokratie und staatlichen Kontrollitis geführt. Hinzu kommt die drohende Haftung mit dem Privatvermögen im Falle von Regressen bei Arznei- oder Heilmitteln. Das ist den Medizinstudenten bekannt. Dieses Rad muss zurückgedreht werden.“ Für Köhler handelt es sich um „eine gesellschaftliche Aufgabe“. Auch Kommunen und Städte seien aufgefordert, Standortmarketing zu betreiben: „Die Praxis eines niedergelassenen Arztes oder Psychotherapeuten ist ein mittelständisches Unternehmen, das Standortfaktoren vergleicht.“ „Ich bin froh, dass Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler dies erkannt hat und entsprechende Schritte unternehmen will“, so der KBV-Chef weiter.

Die Behauptung des ,Spiegels‘, die KVen seien überdies von Fachärzten dominiert, die die Interessen der Hausärzte übergingen, wies Köhler entschieden zurück. Ebenso falsch sei, dass die Fachärzte sich das meiste Honorar in die Tasche wirtschafteten und Hausärzte auch hier das Nachsehen hätten: „Das ist nachweislich Unsinn. In allen KVen sind beide Seiten in den Vorständen gleichberechtigt vertreten. Sie entscheiden zudem gemeinsam.“


(Pressemitteilung der KBV vom 12.04.2010)






Nachsatz der Redaktion:


Die KV Sachsen schließt sich der Kritik der KBV vollinhaltlich an. Insbesondere die Behauptung des ,Spiegel‘, die von Fachärzten dominierten KVen tragen die Verantwortung für den Ärztemangel auf dem Land, sind diffamierend und in der Sache unsinnig.

Was das vermeintliche Übergewicht der Fachärzte in der Vertreterversammlung anbelangt, so sitzen in der VV der KV Sachsen neben 2 Psychotherapeuten noch 20 Fachärzte und 18 Hausärzte. Dominanz sieht wohl anders aus.
Und was es mit der angeblichen „Untätigkeit“ der KVen in Sachen Ärztemangel auf sich hat, erläuterte der Vorstandsvorsitzende der KV Sachsen, Dr. Klaus Heckemann, erst kürzlich wieder den Medien. Nachstehend ein Ausschnitt aus einem Beitrag in der „Freien Presse“ vom 07.04.2010:


Heckemann zufolge fehlen in Sachsen mehr als 300 Hausärzte. Besonders gravierend sei die Entwicklung in ländlichen Gegenden. Sowohl die Krankenkassen als auch die KVS und das Sächsische Gesundheitsministerium suchen seit Jahren nach Rezepten gegen den Ärztemangel. So wurden die finanzielle Förderung der Hausarzt-Weiterbildung verbessert, ein Stipendienprogramm aufgelegt, im Ausland nach Ärzten gesucht oder auch Praxis-Übernahmen bezuschusst. Heckemann: „Das Grundproblem ist, dass der Ärztemangel zu lange totgeschwiegen wurde.“


Bei seiner KV-Schelte übersieht der ,Spiegel‘ offensichtlich den Umstand, dass sich auch die Kassenärztlichen Vereinigungen, volkstümlich ausgedrückt, „keine Ärzte backen können.“ Im Klartext: Arztstellen – egal ob in Praxen oder MVZ und unabhängig ob im Rahmen einer Zulassung oder Anstellung – nur besetzt werden können, wenn genügend Ärzte ausgebildet wurden. Erst wenn es mehr Ärzte als freie Stellen in den jeweiligen Fachgebieten gibt, kommen alle gut gemeinten Steuerungsinstrumente und -ideen zum Tragen.

Übrigens: Einen weiteren Beleg für die „Untätigkeit“ der KV Sachsen in Sachen Ärztemangel finden Sie übrigens auf Seite 4 dieses Heftes im Artikel „Wie die Stadt Freiberg zu einer neuen Kinderärztin kam“.
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