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Für eine „hohe Schlagzahl“ gemeinsam in die Riemen legen

Portrait des VV-Vorsitzenden Dr. Stefan Windau

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

wie Sie wissen, stehen auch in der KV Sachsen in diesem Jahr wieder Wahlen zur Vertreterversammlung an. Der Wahlleiter hat Ihnen dazu Mitte April die Wahlbekanntmachung mit allen Einzelheiten, wichtigen Terminen und Fristen übermittelt. Am 25. Juni, 18.00 Uhr, endet die Wahlfrist. Eine hohe Wahlbeteiligung wäre aus meiner Sicht ein gutes Zeichen nach außen, dass die ambulant tätigen Ärzte und Psychotherapeuten in Sachsen weiterhin auf eine starke Selbstverwaltung setzen.

 

Grabenkämpfe vermeiden

 

Nach meinem Dafürhalten ist es uns in Sachsen über die vielen Jahre hinweg (bei allen Schwierigkeiten) gut gelungen, die innerärztliche Solidarität zu wahren. Natürlich waren auch bei uns z.B. Hausärzte und Fachärzte nicht immer einer Meinung. Aber man hat sich am Ende immer zusammengerauft, kein Vergleich mit den Grabenkämpfen, die wir bei anderen KVen beobachten konnten und können.

 

Ich wünsche mir und uns sehr, dass es so bleibt. Mir liegt es dabei fern, eine „Friede-Freude-Eierkuchen- Stimmung“ zu verbreiten oder gar die KV zu beweihräuchern.

 

Ich selbst habe oft genug und auch öffentlich auf den Handlungsbedarf innerhalb des KV-Systems hingewiesen und mir als Arzt von meiner Selbstverwaltung weniger Bürokratie, dafür mehr Service sowie eine noch schlagkräftigere politische Interessenvertretung gewünscht. Ich sage Ihnen aber ganz ehrlich, ich sehe zur KV als Institution gegenwärtig keine sinnvolle Alternative.

 

Was sich da zurzeit vor allem im Süden der Republik abspielt, beunruhigt mich zutiefst. Auf der anderen Seite ist der Fusionsprozess bei den Kostenträgern atemberaubend. Statt die Verhandlungsmacht des KV-Systems zu schwächen, müssen und wollen wir doch unsere Kräfte bündeln.

 

Auf Kollektivvertragssystem pochen

 

Der Kollektivvertrag ist nicht die Ursache allen Übels, sondern unser Faustpfand gegenüber einer machtvollen Kassenlandschaft. Er hat auch Mängel, aber er garantiert die Teilnahme aller Vertragsärzte – auch auf längere Sicht – an der Versorgung. Darum beneiden uns andere Berufsgruppen, wie Rechtsanwälte oder Architekten.

 

Selektivverträge mit vergütungsbereinigender Wirkung führen sicherlich für die jeweilige Arztgruppe zu einer höheren Vergütung – dies aber wohl eher kurzzeitig, denn überall sind die Ressourcen endlich. Dies zeigt sehr deutlich die für den hausärztlichen Selektivvertrag in Bayern aktuell vereinbarte Quotierung. Ist der Kollektivvertrag erst einmal geschwächt, geht es nach dem Prinzip: „Divide et impera“! Lassen Sie uns lieber Gestaltungsspielräume durch neue innovative „add on“-Verträge nutzen. Diese selektiven Versorgungsverträge können eine Bereicherung sein.

 

Aus Sicht der ambulanten Medizin gibt es nach wie vor eine ganze Reihe wichtiger Forderungen anzumahnen. So geht es z. B. darum, die Ost-West-Balance bei den Honoraren zu wahren und gegen die absurde (auch in diesem Heft schon mehrfach kritisierte) gesetzliche Regelung der Zu- und Abschläge bei Über- bzw. Unterversorgung anzukämpfen.

 

Aufgaben von KVen und KBV neu justieren

 

Die Erfolge des KV-Systems sollten wir uns nicht zerreden lassen. Allerdings brauchen wir eine bessere, einheitliche und verständliche Außendarstellung des KV-Systems.

 

Auch dürfen wir nicht nur über Bürokratie reden. Wir müssen sie endlich tatsächlich bekämpfen und uns allerdings jederzeit bewusst sein, dass Bürokratie auch ein Mittel zur Mangelverwaltung ist.

 

Vor allem brauchen wir eine klare Strategie, die uns Vertragsärzten eine Perspektive gibt, mit der wir uns identifizieren können.

 

In diesem Sinne müssen wir in der nächsten Legislaturperiode die Aufgaben von Landes-KVen und KBV neu justieren; vor allem, um schlagkräftiger zu werden und den Kassenmonopolen Paroli bieten zu können.

 

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

lassen wir uns auch in Zukunft nicht spalten. Legen wir uns gemeinsam kräftig in die Riemen (um das Symbol des Ruderbootes auf der Titelseite aufzugreifen), damit wir mit unserer neuen Vertreterversammlung auch in der bevorstehenden Wahlperiode auf der Basis „einer hohen Schlagzahl“ ärztliche Interessen wirksam vertreten können.

 

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Sig. Dr. Stefan Windau





Ihr VV-Vorsitzender Stefan Windau

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