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Gerhard Rohlfs: Vom Fremdenlegionär zum Afrikaforscher

Von Manfred P. Bläske

 

„Eine körperlich und seelisch gesunde Teilnehmerschaft an einer Entdeckungsfahrt ist der beste Bürge für den Erfolg“, schrieb James Cook; ein Arzt fehlte daher fortan bei keinem größeren überseeischen Unternehmen. Auch zu Lande setzte sich im 18. Jahrhundert diese Erkenntnis durch. Zugleich waren Ärzte aufgrund ihrer meist umfassenden naturkundlichen Ausbildung prädestiniert, als Expeditionsleiter den wissenschaftlichen Zielen ihres Jahrhunderts zu entsprechen. Bereits 1731 veranlasste August der Starke eine Forschungsreise nach Afrika, geleitet vom Leipziger Mediziner J. E. Hebenstreit und seinem Kollegen C. G. Ludwig. Ihnen folgten unter anderen G. Nachtigall*) und E. Schnitzler (Emin Pascha)**) sowie G. Rohlfs. (* siehe KVS-Mitteilungen, Heft 12/2003 und ** Heft 2/2002)

 

Gerhard Friedrich Rohlfs war einer der Ersten zugleich auch einer der Letzten, die den „schwarzen Kontinent“ und die mächtigen Staaten Bautschi, Bornu und Nupe sowie deren eigenständige Kulturen in ihrer Ursprünglichkeit entdeckten, erlebten und schilderten, bevor die Kollonialländer ihrer Existenz ein Ende bereiteten.

 

Geboren am 14. April 1831 in Vegesack bei Bremen wurde Rohlfs als Sohn des dortigen Arztes wie seine sechs Geschwister anfangs von Hauslehrern erzogen. Ab 1846 besuchte er – als schlechter Schüler, wie er freimütig bekannte – die Gymnasien in Osnabrück und Celle. Doch drei Jahre später verließ er die Schule und wurde Soldat beim Bremer Füsilierbataillon, später Unteroffizier. In der Schlacht gegen die Dänen 1850 erfolgte wegen Tapferkeit die Beförderung zum Leutnant; Rohlfs nahm indes seinen Abschied und studierte – zwei seiner Brüder waren bereits angesehene Ärzte geworden – in Heidelberg Medizin. Dem nötigen Fleiß zog er ein flottes Leben vor, und er verdingte sich 1851 in Österreich erneut in der Armee, jedoch langweilte ihn bald die Routine des täglichen Dienstes.

 

Er desertierte, gelangte nach Frankreich und in Nimes in die Fremdenlegion; 1855 betrat er in Algerien afrikanischen Boden.

 

Über die folgenden sechs Jahre machte Rohlfs, wohl aus gutem Grund, keine Aufzeichnungen, denn 1856/57 wurde er in den Schlachten gegen die Kabylen Arzt, Apotheker und Leiter eines Feldhospitals der Legion. Tapferkeitsmedaillen, sein Selbstbewusstsein und eine gehörige Portion Frechheit (wir kennen Ähnliches aus unseren Tagen) bahnten ihm diese „Karriere“. Mit dreißig Jahren verließ Rohlfs die Legion und wurde auf abenteuerlichste Weise oberster Arzt der marokkanischen Armee sowie Inhaber einer privaten Praxis in Meknes. Nun hieß er Mustafa Nemsi, Tobib ua Dschrahti – Mustafa der Deutsche, Arzt und Wundarzt! Doch damit nicht genug. Mit seiner Mischung einheimischer und deutscher Heilmethoden wurde er schnell bekannt, obendrein zum Leibarzt des Sultans berufen und geschätzter Arzt der Haremsdamen.

 

Aber bald interessierte sich der geographische Laie Rohlfs mehr für die weißen Flecken auf Afrikas Karten. Vermittelt durch den englischen Gesandten in Marokko erhielt er die Erlaubnis, sich ohne Einschränkungen im Land zu bewegen.

 

Innerhalb eines Jahres vervollständigte Rohlfs, wie kein anderer europäischer Forscher seiner Zeit, mit Eifer und Fleiß seine Sprachkenntnisse, sein Wissen über Religion, Sitten und Bräuche der Einheimischen. Dadurch wurde es ihm möglich, als gläubiger Muslim durch Marokko zu reisen. Er zog 1862 „mit Notizbuch, Bleistift und einem Esel“ die Küste entlang südwärts über Casablanca und Azzemour bis Marrakesch im Landesinneren. Krank erreichte Rohlfs Agadir. Doch er gab nicht auf, wandte sich nach Osten, überstieg die Ausläufer des Atlas, erforschte das Wadi Draa und gelangte als erster Europäer in die Oasengruppe Tafilalt.

 

1864 kehrte Rohlfs nach Deutschland zurück. August Petermann, der große Geograph und Initiator von Forschungsreisen, erkannte die Talente des neuen Afrikafoschers und veröffentlichte dessen Tagebücher sofort in den berühmten „Mitteilungen aus Justus Perthes’ Geographischer Anstalt“. Finanziell sowie technisch durch Petermann und andere gut ausgerüstet, begann Rohlfs 1865 mit der Erstdurchquerung der Sahara vom Mittelmeer zum Golf von Guinea sein eigentliches wissenschaftlich fundiertes Forscherleben. Viele andere Reisen folgten.

 

1885 kam er endlich in die Heimat zurück, ließ sich in Weimar nieder, schrieb dreizehn teils mehrbändige Werke und hielt vor riesigen Auditorien zahllose Vorträge in Europa und Amerika, in denen er den zu seiner Zeit noch praktizierten Sklavenhandel und Vorurteile gegenüber der farbigen Bevölkerung geiselte. Von Weimar übersiedelte er nach Godesberg, wo durch eine Herzlähmung am 2. Juni 1896 sein Leben endete. Bestattet wurde Gerhard Rohlfs in einem Ehrengrab in seiner Vaterstadt Vegesack.

Bildnis von Gerhard Rohlfs
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