„Lerne den eignen 5 Sinnen zu trauen“
Es war am 23. Januar 2010, als Dr. med. Johannes-Georg Schulz zur Informationsveranstaltung für Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung den künftigen hausärztlich tätigen Kollegen dieses Credo mit auf den Weg gab. Wir berichteten darüber in den KVS-Mitteilungen 02/2010.
Seine eigene Facharztausbildung zum Allgemeinmediziner absolvierte er an
einem Dresdner Forschungsinstitut. Das Thema seiner Arbeit war „Diagnosestrategien bei der Erkennung von Krankheiten“. Am 1. Juli 1987 begann er in einer umgebauten Wohnung in einem Neubaublock am Rande der Stadt als Außenstelle der Poliklinik zu arbeiten. Von Anfang an dabei ist seine Praxispartnerin Dipl.-Med. Ingrid Reichelt. „Mit ihr werde ich nahezu gleichzeitig ,Silberhochzeit’ haben wie mit meiner Frau“, charakterisiert er schmunzelnd die langjährige Zusammenarbeit mit seiner hausärztlichen Kollegin. Es ist „eine Gemeinschaftspraxis von Anbeginn. Das, was wir machen, geht nur in dieser Form. Wir haben am 1. Juli 1991 nur das Schild gewechselt und die volle Verantwortung übernommen, alles Andere blieb.“ Er musste wohl nicht lange überlegen. „Für jene Hausärzte, die am Patienten arbeiten wollten, gab es keine Alternative.“
Beim Rückblick auf die heute oft verklärt dargestellten Polikliniken differenziert er klar. Die Arbeitsteilung empfand er als ungerecht, „die Positionen mit wenig Patientenkontakt wurden am besten bezahlt. Sehr gut war die Kollegialität auf der Arbeitsebene.“ Infolge der chronischen Unterversorgung half jeder mit und war dankbar für kollegiale Hilfe . Das wurde die ersten 2 bis 3 Jahre nach der Wende plötzlich schwierig, die Kollegen betrachteten sich als Konkurrenten, später hat sich das wieder entspannt.
Auch die Ärzte-Stammtische trugen dazu bei, dass „wieder ein Wir-Gefühl entstand“. Während die fachliche Arbeit kontinuierlich fortgesetzt wurde, galt es nach der Wende andere Herausforderungen zu bewältigen. „So genannte Experten verunsicherten die neu Niedergelassenen, redeten ihnen ein, was sie alles ändern müssten und suchten den roten Teppich für die Privatpatienten.“
Ein viel ernsteres Problem nahm in dieser Zeit durch die damals übernommene Berufsordnung seinen Anfang. Durch die Möglichkeit, dass sich z.B. ein Verwaltungsarzt, der viele Jahre ohne Patientenkontakt gearbeitet hatte, ohne weitere Voraussetzungen als Praktischer Arzt niederlassen konnte, entstand das Bild vom „nur Hausarzt sein“. „Das hat dem Ruf zahlreicher gut ausgebildeter und praxiserfahrener Kollegen sehr geschadet, heute geht das zum Glück nicht mehr.“ Der Qualitätsanspruch an seine Praxis ist Dr. Schulz sehr wichtig. Ihn bewegt das Wechselspiel von Quantität der Nachfrage und erwarteter Qualität in den Praxen. Die Praxis hat jetzt doppelt so viele Fälle wie am Anfang. Diese Qualität kann aber nur mit einem gewissen Zeitumfang beim Patientenkontakt gehalten werden.
Bei großer Nachfrage wird der Ruf nach ärztlichem Nachwuchses natürlich lauter. An den Universitäten wurden „in den letzten Jahren viele Schritte in die richtige Richtung gegangen, das ist aber in der öffentlichen Wahrnehmung noch nicht angekommen.“
Mit über zwanzig Jahren Berufserfahrung „am Patienten“ ruft er dem medizinischen Nachwuchs und dem universitären Lehrkörper zu: „Hausarzt ist nicht das, was übrig bleibt, sondern ein vollwertiger attraktiver und lebensbejahender Beruf!“
„Diese Aufgabe im Gesundheitssystem wird mehr gebraucht als manche Gerätetechnik, darauf sollte die Ausbildung mehr abzielen als bisher, sie sollte in den Umgang mit dem Menschen hineinführen, auch mit den Familienangehörigen. Vieles lernt kann man am besten in der Praxis, bei Famulaturen und in Lehrpraxen. Auch in den Kliniken austherapierte Patienten kommen in ihrer letzten Lebensphase wieder zum Hausarzt zurück, hier erlebt er vor allem Dankbarkeit.“
Dr. Schulz hat sich nicht in seiner Praxis eingeigelt. Seit vielen Jahren ist er im Prüfungsausschuss und im Zulassungsausschuss der KV Sachsen aktiv. „Das hat mir geholfen, mehr über die Selbstverwaltung zu wissen. Ich wünschte mir, dass sich mehr Kollegen das aneignen, sich z.B. in den KVS-Mitteilungen oder im Internet informieren. Diese Informationen sind wichtig, denn jeder muss aufpassen, sich nicht von jemandem manipulieren lassen, der auf uninformierte Kollegen setzt.“
Wenn Georg Schulz einen Ausgleich zu seiner Arbeit sucht, bleibt er aktiv. Er spielt selbst Klavier, als die Kinder „noch im Haus waren“, auch gemeinsam. Einmal in der Woche läuft er mit Gleichgesinnten durch den Großen Garten. Dr. Schulz nennt es „Gesundheitslauf“ und nicht „joggen“. Ohne diese Gruppe „würde ich mich nicht überwinden.“ Auch hier vertraut er seinen fünf Sinnen.
– Öffentlichkeitsarbeit/im –

