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KVS-Mitteilungen

KVS Mitteilungen - Ausgabe 02/2010

Mach das doch bitte – Warum sich Ralf-Rainer Schmidt den Hut aufsetzen ließ

Der Arztberuf wurde Ralf-Rainer Schmidt bereits 1946 in die Wiege gelegt, sein Vater war auch Hausarzt. So übernahm er nach der Facharztprüfung 1977 folgerichtig nach einigen Lehrjahren in einer Poliklinik 1984 die väterliche Praxis. Bereits 1974 hatte er mit seiner Promotion begonnen. Durch das neue Hochschulgesetz wurde seine Arbeit als Diplomarbeit bewertet. Er hätte die Dissertation gleich anschließen können, wollte aber erst einmal praktisch arbeiten und Geld verdienen. Es kam, wie es kommen musste. Das Tagesgeschäft schuf immer mehr Abstand zu seiner Doktorarbeit. Es bedurfte eines freundschaftlichen Anstoßes und der Lust es noch einmal wissen zu wollen, dass er erst im Jahr 2006 sein altes Thema aufgriff und weiter führte. Im November 2009 promovierte er als ältester Doktorand Sachsens an der Uniklinik in Dresden über „Die Entwicklung der Phlebologie in Ostdeutschland“ zum doctor medicinae. Die Vorteile dieses akademischen Grades liegen ausschließlich im ideellen Bereich. Er freut sich vor allem über die zahlreichen mit Bewunderung verbundenen Glückwünsche. Im Zeitalter des Jugendwahns, in dem 40-jährige altersbedingt nicht mehr eingestellt werden, unterzieht sich ein 63-jähriger dem Rigorosum.

Das in seiner Arbeit behandelte Thema Stützstrümpfe bietet ihm Gelegenheit, einen Bezug zu seiner jahrzehntelangen ehrenamtlichen Tätigkeit herzustellen. „Ist es nicht mit unserer KV genauso? Der Stützstrumpf engt etwas ein und zwickt und zwackt manchmal. Aber er hilft uns und hält den Laden zusammen.“ Als sich gleich nach der Wende der Hartmannbund in seiner Geburtsstadt Leipzig vorstellte, hörte Ralf-Rainer Schmidt erstmals den Begriff Kassenärztliche Vereinigung. Er knüpfte durch einen hessischen Freund erste Kontakte und lernte auch den Unterschied von KV und Kammer kennen.

Von den ärztlichen Kollegen in Leipzig gebeten („mach das doch bitte“), „hörte er sich im Lande um“ und fuhr nach München, wo der damalige Hauptgeschäftsführer der KV Bayerns, der leider verstorbene Erich Ulbrich, als koordinierende Kraft die sächsischen „Delegierten“ der drei Bezirke zusammen führte. Seither ist Ralf-Rainer Schmidt Mitglied der Vertreterversammlung und hat in der Bezirksgeschäftsstelle Leipzig „den Hut auf“.

Dass ihn die Kollegen immer wieder gewählt und somit wieder gebeten haben, ihre Interessen wahrzunehmen, nimmt er als Anerkennung seines Einsatzes mit Dankbarkeit zur Kenntnis. „Die ersten fünf Jahre waren die schönsten, man konnte die Aufgaben pragmatisch lösen, konnte etwas bewegen, dagegen wird die Arbeit inzwischen zunehmend durch juristische Bedenken und gesetzliche Vorgaben immer mehr gebremst.“

Dass in die ärztliche Selbstverwaltung immer mehr hinein geredet wird, ärgert ihn. „Man darf den Bezug zur Praxis nicht verlieren“, im wahrsten Sinne des Wortes. Der fast tägliche Basisbezug in seiner Praxis ist ihm deshalb sehr wichtig. Das öffentliche Arztbild hat sich in den letzten Jahrzehnten geändert. Arzt war immer ein anerkannter Beruf, seit der Wende wird man häufiger als Dienstleister empfunden. „Das sind wir ja auch, aber wer kann schon möglichst 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche dienstbereit sein?“

Da sonst keine Gefahr besteht, dass Dr. Schmidt abhebt, hat er sich zum Ausgleich 1999 einen Jugendtraum erfüllt und den Privatpilotenschein gemacht. Ob es nur die grenzenlose Freiheit ist, die ihn dort reizt oder der Abstand zu den Niederungen des Alltags, ist nicht bekannt. Vielleicht guckt er sich auch da oben neue Ziele aus, denn er hat ja vergangenes Jahr gezeigt, dass er noch mal durchstarten kann, auch wenn wahrscheinlich kaum einer damit gerechnet hatte.



– Öffentlichkeitsarbeit/im –

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