KVS-Mitteilungen

Chancen im sächsischen Gesundheitswesen

Informationsveranstaltung für Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung
Die Sächsische Landesärztekammer, das Sächsische Sozialministerium, die Kassenärztliche Vereinigung, die Krankenhausgesellschaft und die Apo-Bank hatten für den 23. Januar sächsische Weiterbildungsassistenten zu einer Info-Veranstaltung eingeladen. Diese erhielten somit zum zweiten Mal in dieser Form die Gelegenheit, sich zu Chancen, Perspektiven und Einsatzmöglichkeiten im ambulanten, stationären Bereich sowie im öffentlichen Gesundheitsdienst zu informieren.
Erik Bodendieck, Vizepräsident der Landesärztekammer, begrüßt die etwa 160 Interessenten. „Die demografische Entwicklung stellt zuerst uns in Sachsen vor neue Herausforderungen.“ Die Vorstellungen vom Leben als Arzt haben sich verändert. Er nennt als Schlagworte „die Vereinbarung von Familie und Beruf“ und „die Medizin wird weiblich“. Der Vizepräsident lädt die jungen Mediziner ein: „In Sachsen stehen ihnen alle Möglichkeiten offen, dafür stehen wir und unsere Partner.“
Die Grüße der Staatsministerin überbringt Herr Dr. rer. nat. Frank Bendas, stellv. Abteilungsleiter Gesundheits- und Veterinärmedizin im SMS. Er verweist auf die aktuellen Förderprogramme. Vier Kandidaten bewerben sich zurzeit auf einen Medizin-Studienplatz, da muss bei all den negativen Berichten in den Medien „etwas dran sein an diesem Beruf“.
Der Präsident der Landesärztekammer, Prof. Dr. Jan Schulze, referiert zur ärztlichen Selbstverwaltung. Diese wurde in Sachsen „erfunden“, er nennt dazu die Namen von Prof. Hermann Eberhard Friedrich Richter und Prof. Hermann Hartmann. Schon deren Grundsatz lautete: „Unsere Dinge können wir am besten selbst regeln“. Heute sind neben den medizinischen Kenntnissen noch Managementfähigkeiten erforderlich. Der Präsident verweist auf die Zusammenstellung der Informationen in www.aerzte-fuer- sachsen.de (siehe KVS-Mitteilungen 1/2010) und die reichhaltige sächsische Kultur- und Bildungslandschaft.
Frau Dipl.-Med. Petra Albrecht spricht für den öffentlichen Gesundheitsdienst und stellt dessen vielfältigen Aufgaben vor. Der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft, Dr. oec. Stephan Helm, stellt die zurzeit 79 sächsischen Krankenhäuser vor. Er verweist vor allem auf die Vielfalt der Fachgebiete und der Arbeitsmöglichkeiten.
Dr. Rainer Kobes, Chefarzt für Innere Medizin der Pleißental-Klinik Werdau, stellt beispielhaft ein kleines Krankenhaus vor. „Die menschliche Nähe zum Team“ nennt er als wichtige Motivation.
Für die Arbeit in eigener Niederlassung wirbt der KV-Vorsitzende Dr. Klaus Heckemann. Er schildert den acht Jahre währenden Kampf der KV Sachsen um die Verbesserung der Förderung der WB-Assistenten. In dieser Zeit „sind uns viele junge Leute verloren gegangen.“ Speziell im Bereich der Allgemeinmedizin wird ärztlicher Nachwuchs dringend benötigt. Dr. Heckemann freut sich daher sehr, dass die Beträge zur Förderung der Allgemeinmedizin mit Wirkung ab 1. Januar 2010 spürbar erhöht wurden. Für den ambulanten Bereich werden nunmehr 3.500 Euro pro Monat und Vollzeitstelle zur Verfügung gestellt – paritätisch finanziert von KV und Kassen. Zusätzlich werden 500 Euro bei Tätigkeit in unterversorgten Gebieten bzw. 250 Euro in Gebieten mit drohender Unterversorgung gezahlt. Zudem gibt es nun keine Begrenzung der Anzahl der geförderten Weiterbildungsstellen mehr. Der Grund schlechterer Vergütung im Vergleich zur Assistenz im Krankenhaus hat sich damit erledigt. Zur Förderung der fachärztlichen Weiterbildungs-
assistenten haben sich die Krankenkassen bislang noch nicht durchringen können. Hier fördert die KV Sachsen bisher allein.
Raimund Pecherz, Filialleiter der Apo-Bank in Dresden, „beneidet die Ärzte: sie haben einen so hohen Marktwert, dass sich zahlreiche hochkarätige Persönlichkeiten an einem Sonnabend kostenlos um sie bemühen“. Er ermutigt seine Zuhörer in der kurativen Medizin zu arbeiten und bietet natürlich die Hilfe seiner Bank an. Herr Pecherz vergleicht seine Angebote mit einem Airbag im Auto: „Sie müssen nur gute Ärzte sein und gute Berater haben.“
Im Foyer konnten sich die jungen Mediziner von den einzelnen beteiligten Institutionen beraten lassen. Den Stand der KV Sachsen besuchte etwa ein Viertel der Teilnehmer. Parallel fanden Workshops zur Orientierung statt.
Der Workshop „Traumberuf Hausarzt!?“ des Dresdner Allgemeinmediziners Dr. Johannes-Georg Schulz war so gut besucht, dass zusätzliche Stühle geholt werden mussten. Dr. Schulz arbeitet seit 1981 am Patienten, seit 1991 in eigener Praxis in Dresden-Übigau, seine Frau ist niedergelassene Gynäkologin. Traumberuf Hausarzt – für ihn steht das Ausrufezeichen für die Hoffnungen, das Fragezeichen für Unterversorgung und Bürokratie. Warum sollte sich ein Medizinstudent für die Allgemeinmedizin entscheiden? Die wissenschaftliche Arbeit ist durchaus möglich, z.B. als Lehrpraxis.
Vor allem sind nirgendwo Langzeitbetrachtungen besser möglich. Der Hausarzt verfügt über ganz andere Sichtweisen und Informationen als ein Kliniker. Es gibt eine große Vertrauensbasis zum Patienten. „Man wird in Familien eingelassen, wird aber unter Umständen 24Stunden in Anspruch genommen. So lange in der Wohnstube Licht brennt, ist der Doktor da.“
Dr. Schulz beschreibt differenziert die Möglichkeiten und Grenzen in Einzel-und Gemeinschaftspraxen und im MVZ. Er sieht die größten Vorteile in einer Gemeinschaftspraxis. „Lernen Sie den eignen fünf Sinnen zu trauen, statt immer noch einmal die Geräte zu befragen“, gibt er den jungen Kollegen als Credo für sein Fachgebiet mit auf den Weg. Und noch eine Botschaft: Man soll sich auch berufspolitisch engagieren, „nicht nur über die anderen meckern und nichts machen.“
„Der Arzt als mittelständischer Unternehmer“ ist der Titel eines anderen Workshops. Der Praktische Arzt Dipl.-Med. Peter Lorenz und der Radiologe Dr. Marc Amler stellen als geschäftsführende Gesellschafter mit dem Kinderzentrum Friedrichstadt und der Radiologischen Gemeinschaftspraxis Blasewitz eine völlig andere Form der ambulanten Medizin vor. „Das Vertragsarztrechtsänderungsgesetz schuf neue Möglichkeiten, die wir genutzt haben.“ Sie betonen, dass die Leitung ihrer MVZ ausschließlich in ärztlichen Händen liegt.
Die Ärzte in den beispielhaft besuchten Workshops haben dem ärztlichen Nachwuchs wichtige Informationen und Anregungen gegeben. Vor allem haben sie aber Mut gemacht, in Sachsen ambulant tätig zu werden. Sie werden gebraucht.
– Öffentlichkeitsarbeit/im –
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