Einblicke in die Qualitätszirkelarbeit und Pilotveranstaltung mit AQUA zur Moderatorenschulung für Qualitätszirkelleiter
Interview mit Dr. med. Hajo Schubert, FA für Frauenheilkunde und GeburtshilfeMit Einführung einheitlicher Kriterien und Grundsätze zur Zirkelarbeit im Rahmen der neuen Leitlinie „Qualitätszirkel in Sachsen“ vom 01.10.2009 (wir informierten Sie im Heft Nr. 9/2009) sollen die Qualitätszirkel im Bereich der KV Sachsen gefördert, aber auch weiterentwickelt werden. Die Ausbildung der Moderatoren, als Voraussetzung zur weiteren Anerkennung eines Qualitätszirkels durch die KV Sachsen, soll dabei die Arbeit der Qualitätszirkelleiter bei der Umsetzung des Qualitätszirkelkonzeptes unterstützen.
Schwerpunkt der durch die KV Sachsen angebotenen Moderatorenschulung für Qualitätszirkelleiter ist, das Qualitätszirkelkonzept durch Kleingruppenarbeit erlebbar zu machen. Dazu werden die einzelnen Inhalte von der Themenfindung im Qualitätszirkel über Methoden zur Abbildung der Praxisrealität bis zum Erstellen und der Umsetzung von Dramaturgien mit der Möglichkeit zur praktischen Übung erfahrungsbezogen vermittelt. Grundlagen zur Kommunikation, Gruppenarbeit, zur Rolle des Moderators und Organisatorisches ergänzen die Schulung. Des Weiteren erhalten die Teilnehmer Tipps sowie praktische Hilfs- und Arbeitsmittel für ihre Qualitätszirkelarbeit.
Im Oktober fand die Pilotveranstaltung mit AQUA, dem Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen, statt. Die Schulung war nach den positiven Beurteilungen von 16 ärztlichen und psychotherapeutischen Teilnehmern ein voller Erfolg.
Insbesondere die Hilfestellungen zur Einbeziehung und Motivation der Teilnehmer sowie die praktischen Moderationsübungen an Fallbeispielen wurden von den Teilnehmern gelobt. Darüber hinaus schätzten die erfahrenen Qualitätszirkelleiter den Austausch im interdisziplinären Kreis besonders.
Interview mit Dr. med. Hajo Schubert zu Qualitätszirkelarbeit und Moderatorentraining
Herr Dr. Schubert ist Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Lichtenstein bei Zwickau. Er und weitere Frauenärzte aus dem Kreis Chemnitzer Land und Stollberg trafen sich schon seit Jahren zum kollegialen Austausch im Rahmen eines Ärztestammtisches. Dabei wurden die Themen zunehmend um fachliche Fragestellungen insbesondere zur Qualitätssicherung erweitert. Aus diesen Gründen entstand aus dem Stammtisch heraus der Qualitätszirkel „Gynäkologie und Geburtshilfe“, für den Herr Dr. Schubert aufgrund seines Engagements im Kollegenkreis als Moderator ausgewählt wurde und diesen nunmehr seit März 2004 leitet.
Die Treffen des Qualitätszirkels „Gynäkologie und Geburtshilfe“ finden etwa zehn Mal im Jahr statt. Von den insgesamt 20 Gynäkologen sind meist 12 bis 15 Teilnehmer anwesend. Häufig kombiniert Herr Dr. Schubert das Thema auch mit einem externen Experten.
Herr Dr. Schubert, mit welchen Themen beschäftigt sich Ihr Qualitätszirkel?
Regelmäßig stehen Themen zu den Schwerpunkten Diagnostik und Therapie des Mammakarzinoms auf der Tagesordnung unseres Qualitätszirkels, da dieser Bereich häufigen Änderungen unterworfen und die Fortbildung im Rahmen des DMP-Vertrages gefordert ist. Außerdem beschäftigen wir uns unter anderem mit ausgesuchten Problematiken der Urogynäkologie sowie der Kinderwunschbehandlung. Ausgangspunkt für die Wahl des Themas sind Problemfelder im Praxisalltag, um gezielt Defizite zu erkennen und ggf. mit Experten gemeinsam eine Lösung zu finden, aber auch Therapieneuerungen und die gemeinsame Bewertung von Behandlungsmöglichkeiten.
Mit welchen Schwierigkeiten/Problemen sind Sie als Moderator in der Qualitätszirkelarbeit konfrontiert?
Als Moderator fällt es mir nicht immer leicht, die Kollegen zu motivieren und in die Themenwahl und Zirkelarbeit einzubeziehen. Zudem ist die Organisation und Vorbereitung einer Sitzung sehr zeitaufwendig.
Sie haben an der Pilotveranstaltung zur „Moderatorenschulung für ärztliche Qualitätszirkel“ teilgenommen. Was waren Ihre Beweggründe zur Teilnahme und welche Erwartungen aber auch Befürchtungen hatten Sie im Vorfeld der zweitägigen Veranstaltung?
Neben dem Nachweis der geforderten Qualifikation der neuen Leitlinie habe ich mir Anregungen für die Vorbereitung und insbesondere das inhaltliche Vorgehen in der Zirkelarbeit zur Verbesserung der Patientenversorgung gewünscht.
Allerdings hatte ich auch Bedenken, unsere Qualitätszirkelarbeit ganz neu ausrichten zu müssen. Ich wurde durch die Schulung jedoch in meinem bisherigen Vorgehen bestätigt und kann aufgrund der Inhalte und Hinweise des Seminars aufbauend zukünftig neue Impulse in unseren Zirkel einbringen.
Welche Schulungsinhalte waren für Ihre Moderatorentätigkeit im Qualitätszirkel wichtig und welche Techniken und Methoden können Sie sich vorstellen in Ihrem Qualitätszirkel umzusetzen?
Der kollegiale Austausch unter den Zirkelleitern hat mir sehr gefallen. Durch den hohen Praxisbezug konnten wir in der Gruppe gleichartige Probleme feststellen, mit denen Leiter von Qualitätszirkeln bei der Moderation der Gruppe konfrontiert werden und uns wurden durch die Referentin von AQUA Lösungsmöglichkeiten für unsere zukünftigen Zirkel vorgestellt. Auch die Übungen und die gemeinsamen Auswertungen sowie Diskussionen in der Seminargruppe waren hilfreich.
Besonders interessant fand ich die Darstellung der Möglichkeiten und Methoden zur Abbildung der Praxisrealität, wie Patientenbefragungen oder Videotechnik. Obwohl deren Nutzung sicher zeitintensiv ist und wir weiterhin überwiegend mit Fallvorstellungen arbeiten werden, kann ich mir deren Anwendung für bestimmte Themen durchaus vorstellen. Im Seminar wurde zudem praxisbezogen dargestellt, wie der Lösungsprozess gestaltet werden kann und wie wichtig das Ableiten von Konsequenzen für das gemeinsame Handeln aber auch für die eigene Praxis ist.
Ich denke auch gerade für neue Zirkelleiter stellt das Seminar eine sehr gute Einführung in das Qualitätszirkelkonzept dar und bereitet sie für den Aufbau und die Durchführung von Qualitätszirkeln vor.
Was ist Ihnen abschließend noch wichtig anzumerken?
Ich möchte klar herausstellen, dass gegenüber Stammtischen die Zirkel eine neue Qualität in der Fortbildung darstellen. Der Unterschied besteht darin, dass über die kollegialen Gespräche hinaus auch gezielt Veränderungen aus der Zirkelarbeit resultieren sollen und sich alle Teilnehmer des Zirkels auf einer gleichen Ebene der Erkenntnisse wieder finden. Die Moderatorenschulung bietet eine umfangreiche Basis für die erfolgreiche Zirkelarbeit.
Zukünftig wünsche ich mir noch ein wenig mehr Engagement und Unterstützung von den Teilnehmern der Zirkel, da wir nur so im Qualitätszirkel die Möglichkeit haben, die Inhalte gemeinsam abzustecken und nach Interessen zu bearbeiten.
Herr Dr. Schubert, vielen Dank für das informative Gespräch.
Interessierte Ärzte und Psychotherapeuten können sich in den jeweiligen Bezirksgeschäftsstellen sowie auf der Homepage der KV Sachsen (unter Mitglieder > Qualität > Qualitätszirkel) zur Gründung eines Qualitätszirkels, über bestehende Zirkel oder Termine zur Moderatorenschulung informieren.
– Qualitätssicherung/mue –
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