Auf jede Treppenstufe kommt es an

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
wenn Sie dieses Heft in den Händen halten, sind die ersten Wochen von 2010 bereits schon wieder Geschichte. Es bleibt zu hoffen, Sie hatten einen guten Start in ein Jahr, das von uns allen wieder vieles abverlangen wird. Was die Gesundheitspolitik anbelangt, bleiben es meiner Ansicht nach bewegte Zeiten. Im Bundesgesundheitsministerium brauchte man eine längere „Aufwärmphase“. Sicher auch, um das schwierige Erbe der „Schmidt-Ära“ aufzuarbeiten.
Nun im neuen Jahr muss Schwarz-Gelb aber auch in der Gesundheitspolitik klarere Konturen zeichnen, in welche Richtung es gehen soll. Wir werden die Arbeit von Minister Rösler wohlwollend, aber auch kritisch begleiten und in einem der nächsten Hefte eine erste „Bilanz ziehen“. Beispielsweise gilt es dann nachzuhaken, wie es demnächst mit dem § 73b und einer drohenden Aufsplitterung der Vertragslandschaft steht.
Wie ein Damoklesschwert hängt immer noch das ab 2010 (auf der Basis einer verstaubten Bedarfsplanungsrichtlinie) geplante System von Zu- und Abschlägen in Abhängigkeit von den Versorgungsgraden über den sächsischen Ärzten. Sollte dies wirklich kommen, befürchte ich anstelle der erhofften Entspannung beim Ärztemangel eine wahre Orgie von Abschlägen auf die Orientierungswerte (siehe auch VV Bericht, KVS-Mitteilungen 12/09, S. 4ff.).
Ich werde natürlich weiterhin alle Möglichkeiten nutzen, um für die längst fällige Korrektur der praxisfernen Bedarfsplanung zu werben, aber auch um das absurde Gesetz und seine noch absurdere Umsetzung durch den Erweiterten Bewertungsausschuss zu Fall zu bringen. Dazu werde ich auch den Landesvorsitzenden der FDP, Holger Zastrow, beim Wort nehmen (siehe Bericht in diesem Heft auf den Seiten 4 und 5).
Es bedarf ja keiner prophetischen Gabe um vorauszusehen, dass die Thematik Ärztemangel auch in den nächsten 12 Monaten eine große Rolle spielen wird. Nicht nur bei den Ärzten selbst, sondern unsere Patienten werden sich wiederholt fragen: Behalte ich noch meinen Doktor in der Nähe bzw. bekommt er einen Nachfolger? Eine moderne Bedarfsplanung allein kann das Problem selbstverständlich nicht lösen. Wie bringen wir einen Medizinstudenten beispielsweise dazu, sich in Sachsen niederzulassen? Man kann auch sagen, es ist eine komplizierte Wegstrecke mit vielen Stufen auf dem Weg in die eigene sächsische Praxis – so unser dazu gewähltes Symbol auf der Titelseite.
Viele Stufen sind wir schon gegangen, andere haben wir noch vor uns. Leider gibt es auch zerstörte Stufen, wie die WidO-Publikation „Ärztemangel- Ärzteschwemme?“ vom April 2003 (ISBN 3-922093-31-0) in der die Autoren auf Seite 191 tatsächlich behaupten: „Im Durchschnitt wäre in Sachsen und Thüringen mit einer Wiederbesetzungsquote von 33% der frei werdenden Hausarztpraxen die Versorgung gesichert.“ Solche Aussagen motivieren keine jungen Mediziner in Sachsen zu arbeiten und erhöhen auch nicht gerade das Problembewusstsein der zuständigen politischen Entscheidungsträger!
Mit einer kleinen Treppenstufe kann sicher das kürzlich ins Leben gerufene „Sächsische Netzwerk gegen Ärztemangel“ (siehe Bericht auf S. 6 dieses Heftes) zum Gelingen beitragen. Über andere vielleicht noch gewichtigere Stufen contra Ärztemangel wurde schon viel geredet und wird weiter zu sprechen sein. Dazu zählen u.a. niederlassungsfreundlichere Studienbedingungen, eine angemessene Honorierung unabhängig von der geographischen Lage sowie der Bürokratieabbau. Nicht zu unterschätzen sind die so genannten „weichen Faktoren“, wie ein familien- und kinderfreundliches Umfeld und ordentliche Verkehrsanbindungen.
Ein anderer wichtiger und aus meiner Sicht oft unterschätzter Baustein ist eine zufrieden stellende Vergütung der Weiterbildungsassistenten. Bisher hinkte diese im ambulanten Bereich der vergleichbaren Förderung im stationären Sektor erheblich nach. Ein klarer „Wettbewerbsnachteil“ für die Niederlassung. Erfreulicherweise haben sich die Vertragspartner auf Bundesebene geeinigt, den Förderbeitrag im ambulanten Bereich von 2.040 spürbar auf 3.500 Euro monatlich anzuheben. Dazu kommen weitere Beträge in Gebieten mit drohender bzw. real gegebener Unterversorgung.
Die KV Sachsen hat in dieser Frage schon seit langem Druck gemacht und auch auf der letzten VV dazu eine Resolution verabschiedet (siehe VV-Bericht im Dezemberheft). Wie die KBV Anfang Dezember mitteilte, steht nun die Finanzierung endgültig. Allerdings setzen wir uns dafür ein (auch in der Resolution), die Förderung über die Allgemeinmedizin hinaus auszudehnen. In Sachsen werden Weiterbildungsassistenten anderer Fachgebiete bisher immer nur einseitig durch die KV gefördert. Wir sehen hier – insbesondere für die Kassen – dringenden Handlungsbedarf. Denn, auf jede Treppenstufe kommt es an!
Mit freundlichen kollegialen Grüßen
Ihr Vorstandsvorsitzender Klaus Heckemann
