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Was ist ein konstituierendes Netzwerktreffen?

Zunächst ist es wohl etwas Wichtiges, schließlich kommt die Ministerin. Wenn alle an einem Strick ziehen, kommt es darauf an, an welchem Ende. Bei einem Netzwerk wird es bei vielen Ziehenden zumindest spannend. Die Erfahrung lehrt, dass bei Mangelerscheinungen viele aktiv werden, um etwas zu organisieren. Bei Ärztemangel ist das nicht anders. Seit Jahren bemühen sich neben der KV Sachsen, dem Sozialministerium, der Sächsischen Landesärztekammer (SLÄK), der Krankenhausgesellschaft und den Krankenkassen zahlreiche Initiativen z.B. in den Kommunen um die Ansiedlung ärztlichen Nachwuchses im Freistaat.

Eine Koordinationsstelle bei der SLÄK und ein Netzwerk sollen nun diese Initiativen und Aktivitäten verbinden. Die zentrale Informationsplattform stellt der neue Internetauftritt

www.aerzte-fuer- sachsen.de

dar, der zum oben genannten konstituierenden Netzwerktreffen von Staatsministerin Christine Clauß und dem SLÄK-Präsidenten Prof. Dr. Jan Schulze offiziell online geschaltet wurde.

Der Gastgeber, Ärztekammerpräsident Prof. Schulze, stellte eingangs fest, dass es trotz einer Vielzahl von Aktivitäten nach wie vor Ärztemangel in ländlichen Regionen gibt. Es kommt nach seiner Überzeugung nunmehr darauf an, nicht nur Ursachenforschung zu betreiben, sondern Abhilfe zu schaffen. Bislang fehlte es an einer Vernetzung der Aktivitäten. Rund 100 Partner sind nunmehr Mitglieder im Netzwerk.

Dieses übernimmt die zentrale Informations- und Servicefunktion und ist bisher einmalig in Deutschland. Das Netzwerk ist offen, jeder kann sich einbringen, „die feinfühlige Steuerung erfolgt durch die Lenkungsgruppe“ aus Sozialministerium, SLÄK, KVS, KHG, sowie Sächsischer Landkreistag und Städte- und Gemeindetag. Nach einem 3/4 Jahr der Aufbauarbeit soll die Informationsplattform allmählich zu einer Kommunikationsplattform ausgebaut werden.

Die Medizinstudentin Antje Schiemanz von der Uniklinik Dresden wird den Teilnehmern als „Zielgruppe“ vorgestellt. Sie empfindet das Netzwerk als gute Investition und bestätigt, sich meistens durchs Internet zu informieren.

Dr. oec. Stephan Helm, Geschäftsführer der KHG Sachsen stellt fest, dass Ärztemangel wohl das häufigste Wort im Gesundheitswesen sei. Er fordert die sächsischen Ärztinnen und Ärzte auf, ein positives Alleinstellungsmerkmal zu nennen, was junge Kollegen dazu bringt, hier zu arbeiten.

Erstmals in dieser „Runde“ vertritt der Geschäftsführer des Sächsischen Städte- und Gemeindetags Mischa Woitschek, sowohl den Sächsischen Städte- und Gemeindetag als auch den Landkreistag. „Die Kommunen im ländlichen Raum klagen schon lange über Ärztemangel.“ Sie bieten z.B. mietfreie Wohnungen, Bauland, Kinderbetreuung u.a. als Anreiz. Er berichtet, eine Gemeinde habe, nachdem der letzte Arzt in den Ruhestand ging, diese Stelle überregional ausgeschrieben. „Es hat sich kein Einziger gemeldet.“

„Der Ärztemangel beschäftigt uns seit langem“, bestätigt auch der KV-Vorsitzende Dr. Klaus Heckemann. Bereits seit Jahren engagiert sich die KV u.a. bei der finanziellen Unterstützung der Weiterbildungsassistenten, den Fördermaßnahmen von Ärzten in unterversorgten Gebieten, bei der Gewinnung österreichischer Ärzte und mit der Teilnahme am Projekt „Gemeindeschwester“, aber „es gibt keinen Königsweg“. Dr. Heckemann verweist auf die veraltete Bedarfsplanung und deren Konsequenzen. Er begrüßt ein konzertiertes Vorgehen, das vor- teilhaft ist, „um die Forderungen an die Bundespolitik herantragen zu können“.

Der Vizepräsident der SLÄK, Erik Bodendieck, kritisiert ebenfalls die alte Bedarfsplanung. In seinem Impulsreferat nennt er erschreckende Zahlen: Es fehlen bereits ca. 350 Ärzte in Praxis und Klinik. Das Durchschnittsalter der berufstätigen Ärzte in Sachsen beträgt 51,1 Jahre. Besonders kritisch ist, dass nur ca. 40% der Studienanfänger in Sachsen im Arztberuf „ankommen“.

Wir wünschen dem neuen Netzwerk im Interesse aller sächsischen Patienten viel Erfolg.



– Öffentlichkeitsarbeit/im –
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