Dr. Rolf Weidle, FA für Allgemeinmedizin und Stadtrat in Görlitz: „Genau hinhören, was die Menschen erzählen“

Hausarzt, Stadtrat und Fraktionsvorsitzender, Vereinsgründer, Buchautor, „Torwart auf Zeit“. All diese Titel passen zu Dr. med. Rolf Weidle. Der praktizierende Hausarzt und erfolgreiche Politiker ist, im positiven Sinne, in Görlitz bekannt wie ein „bunter Hund“.
Allgemeinarzt praktiziert bürgernahe Politik
Seit über 18 Jahren prägt Dr. Rolf Weidle die Kommunalpolitik im ostsächsischen Görlitz maßgeblich mit. Bei der Kommunalwahl im Juni erreichte er das beste Ergebnis aller Kandidaten, holte 1.500 Stimmen mehr als der amtierende Oberbürgermeister. Der ehrenamtliche Politiker freut sich über die große Zustimmung, betont jedoch als Hausarzt: „In der Praxis leiste ich mein volles Pensum.“ Rolf Weidle verschweigt nicht, dass anfangs einige Patienten die Meinung vertraten: „Ich will einen richtigen Arzt und keinen Politiker.“ Das überzeugende Wahlergebnis und stetig gestiegene Patientenzahlen belegen jedoch, dass viele Patienten und deren Angehörige es gut finden, wie sich ihr Doktor für ihre Stadt engagiert. Der „Hauptberuf“ als niedergelassener Arzt hilft Dr. Weidle bürgernahe Politik zu praktizieren. Seinen ärztlichen Rat suchen ein Professor oder ein Geschäftsführer ebenso, wie der Arbeitslose oder der Alkoholiker: „Ich habe das ganze Spektrum der Bevölkerung und höre genau hin, was die Menschen mir erzählen.“ Auf Anfrage erhält so mancher Patient gleich in der Sprechstunde eine Auskunft zu geschäftlichen, sozialen oder anderen Problemen. „Wenn es kompliziertere Dinge sind, mache ich einen extra Termin“, betont der Stadtrat.
Verein mit 10-jähriger Erfolgsgeschichte
Bereits um die Wendezeit engagierte sich Dr. Weidle in der ca. 57.000 Einwohner zählenden Stadt an der polnischen Grenze politisch. Er war z.B. als Vorsitzender des „Runden Tisches Gesundheitswesen“ in Görlitz am Aufbau neuer Strukturen federführend beteiligt und hob die örtliche SPD mit aus der Taufe. Enttäuscht von „etablierter Parteipolitik“ gründete er dann die „Bürger für Görlitz e.V.“. Der Verein blickt mittlerweile auf eine 10-jährige Erfolgsgeschichte zurück. „Wir waren die stärkste Kraft in der letzten Legislaturperiode, jetzt sind wir die zweitstärkste“, berichtet der Fraktionschef nicht ohne Stolz über den Bürgerverein, der seinen Wahlkampf selbst finanzieren musste. „Da haben auch viele Kollegen gespendet, Plakate oder Wahlprogramme mit bekannt gemacht“, bedankt sich der Wahlkämpfer für so manchen „ärztlichen Beistand“.
Die Motivation für sein starkes politisches Engagement bezog und bezieht der Hausarzt Weidle vor allem aus der täglichen Konfrontation mit den wirtschaftlichen, sozialen und finanziellen Problemen der Menschen, aus den sozialen Umbrüchen der Wendezeit sowie aus vielen hunderten Notarzteinsätzen. Nach der Facharztausbildung hatte sich der junge Mediziner der Notfallmedizin verschrieben, stand später dem Görlitzer Rettungswesen als Chefarzt vor und initierte mehrere Ärztehandbücher für Notfälle. Noch heute trifft er Hausärzte, die sagen: „Ach, Sie sind Weidle, da hab ich doch ihr Buch noch in meinem Notfallkoffer.“ Nach der Wende musste er sich quasi selbst entlassen, denn die neuen Strukturen sahen keinen Chef im ambulanten Rettungswesen vor.
Nach der Praxis ins Rathaus
1991 eröffnete die Allgemeinmedizinerin Dr. Ingeborg Weidle in der Jacobstraße der Neißestadt eine Praxis in eigener Niederlassung. Gatte Rolf stieg hier ein Jahr später mit ein, seiner Frau und dem Beruf zuliebe. Wenn sich heute Kollegen wundern, wie er als Arzt die Politik zusätzlich noch verkraftet, verweist er immer auf den „Glücksumstand“ einer Gemeinschaftspraxis mit seiner Frau: „Die hält mir an bestimmten Tagen ganz schön den Rücken frei.“ Wöchentlich 10 bis 15 Stunden veranschlagt Dr. Weidle für sein kommunalpolitisches Engagement. Besonders stressig geht es z.B. an den Montagen zu. Da warten in der Regel 11 Stunden Praxis mit Früh- und Spätsprechstunden sowie Hausbesuchen auf den Doktor. Zwei mal im Monat fordern anschließend Fraktionssitzungen den Fraktionschef oftmals bis 23.00 Uhr im Rathaus.
Entspannung findet der Vielbeschäftigte z.B. beim Radfahren, wie jüngst in Holland. Rolf Weidle besuchte als junges Talent im Stabhochsprung eine Sportschule (schaffte er es mehrfach unter die besten Sechs bei DDR-Meisterschaften), bevor ein schwerer Verkehrsunfall eine mögliche leistungssportliche Karriere beendete. Geblieben ist die Liebe zum Sport. Vieles hat er ausprobiert, bis Mitte 40 regelmäßig in einer Ärztemannschaft Fußball gespielt. Im Keller hat sich der Sportfan ein „leider zu selten genutztes“ kleines Trainingszentrum mit verschiedensten Geräten eingerichtet.
Auf jeden Fall möchte er aber demnächst als Skater den Halbmarathon beim „Europamarathon Görlitz/Zgorzelec“ bestreiten. Diese Veranstaltung, ebenfalls von Weidle „aus der Taufe gehoben“, fand 2009 bereits das 6. Mal statt.
„Torwart auf Zeit“ für eine gute Sache
Immer viele Ideen zu haben, schätzen die Görlitzer an ihrem kreativen Stadtrat. So gründete er den „Görlitzer Helenenbadverein“, um das Gelände eines ehemaligen Freibades für die Bürger wieder zu reaktivieren. „Alles basiert auf Spenden“, erklärt Dr. Weidle, „und so kam ich beim Besuch eines Fußballspiels in Görlitz auf die Idee, für den Verein gegen die Fußballer von NFV Gelb-Weiß im Tor anzutreten.“ Es galt ein Motto, das keine Verlierer kennt: Für jede gelungene Parade 50 Euro für das Helenenbad, jedes Tor 50 Euro für den NFV-Nachwuchs. Die Veranstaltung im Oktober 2007 wurde ein voller Erfolg, auch weil über 20 Betriebe zusätzlich spendeten. Am Ende kam die stolze Summe von fast 10.000 Euro zusammen.
Ratschlag für den Wähler
Ideen hat der heute 64-jährige auch schon für den Übergang ins Seniorenalter. „Wenn ich gesund bleibe, arbeite ich bis zum 68. Lebensjahr“, plant der „Allgemeinarzt mit Leib und Seele“. Dann würde er die Praxis gern übergeben und als angestellter Arzt selbst noch für seine Patienten da sein. „Unser Praxisteam ist wie eine Familie, wir haben keine Fluktuation“, schwärmt der Chef von seiner aktuellen „Mannschaft“. Derzeit gehören 2 angestellte Fachärztinnen in Teilzeit sowie 5 Mitarbeiterinnen zum Team. Der Zuwachs an Patienten sowie organisatorische Zwänge haben die Weidles sogar dazu bewogen, im Januar nächsten Jahres im Stadtzentrum eine neue Praxis zu eröffnen. Das Pensionärsdasein muss also noch geraume Zeit warten. Bei all seinem Tun bringt die ausufernde Bürokratie, „die Zeit für den Patienten kostet“, den Pragmatiker Weidle besonders auf die Palme.
So rät der Arzt und Politiker dem Wähler, der sich eine gute Gesundheitspolitik wünscht, bei den Kandidaten auch „sehr genau nachzufragen, wie es denn gelingen soll, beim Arzt Bürokratie abzubauen.“
– Öffentlichkeitsarbeit/ks –
