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Zippert zappt

17. Juni 2009, 04.00 Uhr

Die AOK will ihre 25 Millionen Versicherten zur Bewertung von Ärzten im Internet aufrufen. Das Ganze nennt sich dann „AOK-Arzt-Navigator“ und soll Patienten vor allem als Entscheidungshilfe dienen. Endlich kann man dann die wirklich wichtigen Informationen erhalten. Welche aktuellen Zeitschriften liegen im Wartezimmer aus? Sind die Kreuzworträtsel und Sudokus immer schon gelöst?

Verschreibt der Arzt alles, worum man ihn bittet, oder besteht er auf Untersuchungen oder ähnlichem Quatsch? Sind die Röntgenbilder in Farbe? Hat der Arzt kalte Hände? Wie schnell schreibt er einen krank? Wie ist die Qualität der Sprechstundenhilfen? Wie oft müssen sie zustechen, bis sie eine blutführende Vene gefunden haben? Analog zu Restaurants soll es dann auch für Ärzte ein Bewertungssystem geben. Statt Kochmützen oder Sternen werden Stethoskope verteilt. Im Bewertungsprofil liest man dann:
„Supermediziner. Gern wieder“, „Hier macht Kranksein Spaß“. Oder auch: Patienten, die sich von diesem Arzt behandeln ließen, kauften auch „Doktor Schiwago“ (DVD), „Dr. Jekyll and Mr. Hyde“ (ungek. Orig.) und Franzbranntwein (Anstaltspackung).

Hans Zippert – Die Welt – vom 17. Juni 2009

(die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors – die Redaktion)
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