Sie befinden sich hier: Startseite » Mitglieder » KVS-Mitteilungen » 2007 » Wir erinnern an

Vor 150 Jahren wurde Sir Ronald Ross geboren - Er entdeckte den Vorgang der Malariaübertragung durch die Anopheles

Portrait von Sir Ronald Ross

Von Manfred P. Bläske

 

Geisel der Menschheit seit Jahrtausenden! – Bereits in ältesten schriftlichen Dokumenten, so auch in der Bibel (Jes 37,36-37), kann an Beschreibungen von Krankheiten die Malaria erkannt werden. Besonders die ersten Kulturvölker in den Stromtälern des Euphrat und Tigris, des Indus und Ganges, des Hoangho und Jangtsekiang sowie des Nils wurden ihre Opfer. Nur ausreichend bewässerte Böden schufen die Voraussetzung für gute Ernten, um die ständig zunehmende Bevölkerung ernähren zu können. Die periodisch überschwemmten und von Bauern kultivierten Flächen boten aber zugleich ideale Brutstätten für Mücken, gegen deren lästiges Stechen man sich recht und schlecht zu schützen wusste, der kausale Zusammenhang zwischen Stich und Wechselfieber war jedoch unbekannt. Zwar konnte Ronald Ross vor 109 Jahren den Vorgang der Krankheitsübertragung aufklären, wodurch Prophylaxe und Therapie eine wissenschaftliche Basis erhielten; Malaria blieb dennoch die wichtigste parasitäre Erkrankung: Über zwei Milliarden Menschen – rund 40% der Erdbevölkerung! – sind potentiell gefährdet, weil sie in Malaria-Endemiegebieten leben. Die WHO schätzt die Zahl der Krankheitsfälle auf 500 Millionen, zwei Millionen Menschen verlieren jährlich ihr Leben, und in einigen tropischen Ländern ist die Malaria für eine Vielzahl der kindlichen Todesfälle verantwortlich.

 

Das „Wechselfieber“ war ständiger verheerender Begleiter fast aller großen Kriegszüge, und es war der französische Militärarzt Louis Alphonse Laveran (1845 – 1922), der 1880 in Algier bei der mikroskopischen Blutuntersuchung malariakranker Fremden- legionäre erstes Licht in die Malariaentstehung brachte und zwischen den Erythrozyten „kleine, amöboid bewegliche Gebilde“ sah, die er im Blut Gesunder nicht fand. Er erkannte zugleich, dass nach Einnahme von Chinin, das seit Jahrhunderten als fiebersenkendes Mittel verwendet wurde, die Gebilde verschwanden; Chinin war also ein Plasmodiengift und damit ein kausales Heilmittel.

 

Auch der am 13. Mai 1857 in Almora (Indien) geborene Ronald Ross befasste sich mit der Malaria. Er hatte am St.-Bartholomew-Hospital in London Medizin studiert, fuhr als Schiffsarzt auf der Linie London-New York und trat 1881 in militärärztlichen

Dienst, den er vorwiegend in Indien verbrachte, wo Hunderttausende Opfer der Krankheit wurden. Bis zum Jahre 1894 blieben seine Forschungen jedoch ziemlich fruchtlos, bis er anlässlich eines Urlaubs in London mit dem erfahrenen Tropenarzt Patrick Manson (1844 – 1922) zusammentraf. Dieser hatte mit Borax-Methylenblau eine Färbemethode (Manson-Färbung) entwickelt und zeigte Ross im Mikroskop die Halbmondformen der Malaria tropica und in den nächsten Tagen die anderen Formen der Malariaplasmodien aus dem Blut von Patienten des Seemannskrankenhauses. Manson war überzeugt, dass die Malariaerreger genauso von Moskiten übertragen würden, wie er es in China bei den Mikrofilarien (Mansonelliasis) nachgewiesen hatte.

 

Über Stechmücken wusste man damals nicht viel mehr, als dass nur die Weibchen Blut saugen. Doch von Mansons Theorie begeistert, kehrte Ross 1895 nach Indien zurück, wo Jahre harter Arbeit folgten.

 

Systematisch untersuchte er unzählige Mücken, von denen er weder Gattung noch Namen kannte und die er an Kranken „ernährt“ hatte, deren Blut halbmondförmige Körper enthielt. Ross war ein erfahrener Kliniker und ein ausgezeichneter Mikropräparator jedoch kein guter Entomologe. Erst als er im April 1897 selbst erkrankte, erkannte er als Verursacher „einen kleinen Moskito, der seinen Leib von der Wand abstehen ließ und einige dunkle Flecke an der vorderen Flügelader zeigt“ – es war die erste Anopheles, die er gesehen hatte.

 

Am 2. Juli 1898 fand Ross im Thorax dieser Spezies eine große Zelle, welche fadenförmige Körper einschloss. Zwei Tage später sah er, dass die zunahmen, je mehr sie sich einer bestimmten Stelle des Kopfes näherten und Ross schrieb an Manson: „Tausend gegen eins gewettet, handelt es sich um die Speicheldrüse. Die Übertragung der Malaria vom kranken auf den gesunden Menschen erfolgt durch den Stich dieser Mücke!“

 

1926 wurde Ross Chefdirektor des neuen nach ihm benannten Ross-Instituts, nachdem ihm bereits 1902 der Nobelpreis und 1911 der Adelsstand verliehen worden waren. Sir Ronald Ross, der auch als Dichter erfolgreich war, starb am 16. September 1932 in Putney Heath.