Erfahrungsberichte
Seit einigen Jahren findet in Sachsen ein Umbruch in der ambulanten medizinischen Versorgung statt. Viele etablierte Allgemeinmediziner gingen oder gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand - eine große Chance für Mediziner, den Berufswunsch zu verwirklichen und eine Praxis zu übernehmen oder neu aufzubauen. Hier berichten Ärzte, die in den letzten Jahren diesen Schritt zum niedergelassenen Arzt gewagt haben.

"Hier hat sich ein Herzenswunsch erfüllt"
Ein Interview mit Dr. med. Katja Bartha
Fachärztin für Allgemeinmedizin in Cossebaude
Österreich hat zu viele Ärzte, Sachsen zu wenig. Was liegt also näher, eine neudeutsche "win-win- Situation" in Form einer "Wien-rin-Relation" umzusetzen? Dr. Katja Bartha ist jetzt 1 ½ Jahre in Sachsen. Sie kann vergleichen. "Es gibt nicht weniger Bürokratie in Österreich, aber es läuft anders, man muss sich erst eingewöhnen." In Österreich erfolgt die Honorierung ohne Deckelung je nach Patientenanzahl. Dafür gibt es mehr Konkurrenzdruck im Alpenland. Wettbewerb kann innerhalb einer Budgetregulierung nicht stattfinden oder sich entwickeln. Aufgrund der langen Wartelisten der potentiellen Praxisnachfolger sind die Übernahmekosten in den Ballungsgebieten Österreichs erheblich teurer. In Cossebaude laufen ihr aufgrund der ärztlichen Unterversorgung regelrecht die Patienten zu. "Die Menschen sind offen mit ihren Problemen zu mir gekommen, trotz der doch augenscheinlichen Unterschiede zu meinem Vorgänger - Generation und Geschlecht." Die charmante Wienerin behandelt sie gern, aber das Budget schneidet viel ab. "Leider sind durch die Begrenzung des Budgets auch meine Investitionen (Personal, Modernisierungszyklus der Geräte) beschränkt."
Sie fühlt sich in Sachsen zuhause, aber "Wien bleibt meine Heimat. Das gelegentliche Heimweh hatte ich auch in Salzburg, wo ich einige Zeit gearbeitet habe. Hier mache ich das, was ich immer schon machen wollte." Ihr Lebensgefährte hat sie bei ihrem Wechsel nach Sachsen von Anfang an unterstützt. Er ist mitgekommen und hat inzwischen eine Anstellung bei der Beratungstochter des Verbandes der Sächsischen Wohnungsgenossenschaften. Außerdem ist er "quasi mein Geschäftsführer, zuständig für Finanzen und Technik". Ihn nennt sie zuerst bei den Unterstützern der Praxisübernahme. Gleich danach nennt sie ihren Praxisvorgänger Hans Heckfuß, der sie in der mehrmonatigen Übergabephase optimal vorbereitet hat. Inzwischen hat sie auch in Sachsen einen Freundeskreis und "es müsste etwas Schlimmes passieren, dass ich wieder zurück nach Österreich gehe." Die sächsische Mentalität liegt ihr. "Sie sind gemütlich, nicht dominant, leutselig und sehr offen."
Ihren Landsleuten rät sie, es ihr gleich zu tun. Das Problem der interessierten Kollegen liegt nicht im schönen Sachsen. "Es ist eine schwierige Entscheidung in eine Niederlassung zu gehen, weil man sich damit langfristig festlegt". Sie selbst hat sich "einen Herzenswunsch erfüllt, in Niederlassung zu gehen."
