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Erfahrungsberichte

Seit einigen Jahren findet in Sachsen ein Umbruch in der ambulanten medizinischen Versorgung statt. Viele etablierte Allgemeinmediziner gingen oder gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand - eine große Chance für Mediziner, den Berufswunsch zu verwirklichen und eine Praxis zu übernehmen oder neu aufzubauen. Hier berichten Ärzte, die in den letzten Jahren diesen Schritt zum niedergelassenen Arzt gewagt haben.

Dr. med. Susanne Steinert, FÄ für Innere und Allgemeinmedizin in Augustusburg: Familienpraxis als Kindheitstraum

Viele reden vom Ärztemangel auf dem Lande. Aber es gibt sie noch: die generationenübergreifende Familienpraxis. Ein gutes Beispiel liefert
Dr. Susanne Steinert. In Augustusburg, 15 km südöstlich von Chemnitz gelegen und insbesondere durch das in 516 m Höhe idyllisch thronende gleichnamige Schloss ein Touristenmagnet, stieg die damalige Assistenzärztin am
1. Juli 2009 in die Praxis ihres Vaters Dr. Thomas Klotz mit ein. Seit Juli des vergangenen Jahres ist sie dort als Fachärztin tätig.

Dr. Susanne Steinert, die bis zu ihrer Hochzeit im April noch Klotz hieß, bezeichnet den Berufswunsch Ärztin als einen „Kindheitstraum“. Und „schon zu Beginn des Studiums war es mein Ziel, mit dem Vati zusammen in der Praxis zu arbeiten.“ Zwar entdeckte die sympathische Blondine zwischenzeitlich „ihre Liebe“ zur Augenheilkunde und promovierte in diesem Fach. Doch während „einer guten Zeit“ im Klinikum Chemnitz entschied sie sich dann doch für die Innere Medizin. Der Vater ließ der Tochter immer ihre Entscheidungsfreiheit und freute sich riesig, als Susanne in der Praxis anfing.

„Medizinvirus“

„Eigentlich hat es sich von ganz allein ergeben, als meine Schwester altershalber aus der Praxis ausschied“, lächelt Dr. Thomas Klotz. Der Facharzt für Pulmologie und Innere Medizin arbeitete nach stationärer Tätigkeit in Frankenberg und Flöha ab Juli 1990 als niedergelassener Vertragsarzt erst zwei Jahre allein, bevor er mit seiner Schwester eine Gemeinschaftspraxis gründete. 1991 und 1992 entstanden auch die neuen schönen Praxisräume in der Augustusburger Morgensternstraße. Insgesamt trifft es schon zu, dass die Familie Klotz mit dem „Medizinvirus“ infiziert ist: Die Schwester von Susanne Steinert ist Zahnärztin wie der Großvater. 

Der Ehemann von Susanne arbeitet derzeit noch an der Uniklinik in Leipzig und macht nächstes Jahr seinen Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Und auch die Mutter Gisela Klotz steht als eine von drei Arzthelferinnen der Praxis „im Dienste der Medizin“.

Die innerfamiliäre Zusammenarbeit klappt vorzüglich. „Mein Vati lässt mir zwar freie Hand, ist aber immer für Fragen da“, lobt Susanne Steinert, wobei Dr. Thomas Klotz das nicht als Einbahnstraße sieht: „Die jungen Leute bringen aus der Klinik viel mit, da kann man selbst noch lernen.“ Die engen Familienbande hängen wohl auch mit dem Menschenschlag zusammen. „Typisch Erzgebirge“, nennt Dr. Susanne Steinert das. Ganz sicher trägt die Art der Leute hier mit dazu bei, dass die junge Ärztin so gern mit Patienten arbeitet. Von ihrer Tante konnte sie den kompletten Patientenstamm übernehmen.

Weites Spektrum

Ihre Klientel umfasst alle Altersstufen. Die Medizinerin reizt an ihrer Arbeit das weite medizinische Spektrum einer Hausärztin. „Die Patienten kommen zuerst zum Allgemeinarzt, dann kann man umfassend diagnostizieren und therapeutische Entscheidungen treffen. Außerdem hat man nicht nur einen kurzen Kontakt wie im Krankenhaus. Man bekommt Einblick in die Familiensituation und behandelt nicht selten Kinder, Enkel, bis hin zu den Großeltern.“ Die junge Ärztin hofft natürlich auch, dass möglichst viele Medizinstudenten diese Vorteile erkennen und den Sprung in die Niederlassung wagen, selbst wenn nicht so ideale familiäre Einstiegsbedingungen gegeben sind. Nach ihrem Eindruck lässt sich so mancher noch von der Bürokratie z. B. in der Abrechnung abschrecken. Außerdem kritisiert sie: „Im Studium kommt das Fach Allgemeinmedizin so gut wie nicht vor.“

Hilfe für Afrika

Bereits mit dem Studium in Leipzig hielt Susanne Steinert ihrer sächsischen Heimat die Treue. Beruflich ins Ausland zu gehen, kam für sie nicht in Frage. Das tat und tut sie lieber privat. Bei einer Reise nach Westkenia lernte sie 2009 eine Krankenstation kennen. Sie war erschüttert: „Es waren nur Baracken, es gab keine Medikamente, weder Diagnostik noch therapeutische Behandlungsmöglichkeiten.“ Um zu helfen, gründete sie gemeinsam mit ihrer Schwester den Verein „Offene Herzen e.V.“. „Mittlerweile haben wir ein gutes Team mit einem Kern von ca. 20 Leuten, darunter auch viele Ärzte.

Jetzt läuft der Bau einer neuen Krankenstation“, berichtet die Initiatorin. „Es gibt jetzt feste Helfer aus der einheimischen Bevölkerung und die Ärzte aus Deutschland helfen, wie es die Zeit erlaubt. Da wird mal zwei, drei Wochen gynäkologische Behandlung angeboten oder zahnärztliche, oder chirurgische.“ Besonders ermutigt die junge Frau „ganz viel Zuspruch von Leuten aus der unmittelbaren Heimat“. Dr. Steinert und ihre Mitstreiter stellen Vorträge und andere Veranstaltungen auf die Beine, um Spenden für die gute Sache einzuwerben.

Als Hobby möchte Dr. Susanne Steinert die Musik nicht missen. Sie spielt seit 25 Jahren Geige und ist, so oft es die knappe Zeit erlaubt, in verschiedenen Orchestern in Chemnitz aktiv. Letztes Jahr begann die Musikliebhaberin noch, Klavier zu lernen. Sie schätzt an der Musik, dass sie dann ganz abschalten und entspannen kann.